Lehrpreis für Praxisübung zu alten Schriften

7.9.2026 - Marco Barchfeld | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Marco Barchfeld entziffert mit Studierenden in einem Paläographie-Seminar historische Quellen.

Alte Handschriften, zwölf Schwierigkeitsstufen und ein Seminar, das bewusst nicht frontal funktioniert: Für die Praxisübung „Quellen lesen und interpretieren: Einführung in die Paläographie und Quellenarbeit“ hat Marco Barchfeld den Lehrpreis für innovative Lehrkonzepte der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie erhalten. Am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) verbindet er Kurrentschrift mit Quellenarbeit und Recherche.

Herr Barchfeld, die Nachfrage an dem Seminar war größer als erwartet. Was hat Sie daran besonders überrascht?

Ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Nachfrage so groß sein würde. Das hat mich sehr gefreut, gerade weil Paläographie-Kurse an Universitäten inzwischen seltener werden. Dass aber knapp 20 Personen auf der Warteliste waren, hat mir gezeigt, dass die Studierenden einen konkreten Bedarf sehen. Einige wollten etwa Briefe ihrer Großeltern entziffern können. Im Laufe des Seminars haben die Studierenden auch gelernt, Kurrentschrift selbst zu schreiben, um einen besseren Zugang zur Schrift zu erhalten. Das wurde begeistert aufgenommen.

Was ist Kurrentschrift?

Kurrentschrift ist die historische Schreibschrift aus dem 17. und 18. Jahrhundert, auf die sich das Seminar vor allem konzentriert hat. Der Begriff leitet sich vom lateinischen currere, also „rennen“, ab, weil sie schnell geschrieben werden konnte. Und die sog. Frakturschrift war die gedruckte Schrift seit dem Buchdruck. Weil sich Schreibweise und Grammatik von unserem heutigen Deutsch unterscheiden, haben wir uns erst auch mit den Eigenarten des Frühneuhochdeutschen beschäftigt, danach ist es leichter die Handschriften zu entziffern.

Was macht die Arbeit mit einer historischen Handschrift für Sie persönlich so spannend, dass Sie diese Begeisterung an die Studierenden weitergeben möchten?

Mich reizt an historischen Handschriften, dass das Schriftbild und die Materialität Informationen beinhalten, die in einer Edition nicht vermittelt werden können. Eine scheinbar unbedeutende Randbemerkung, ein Fleck auf dem Papier, durchgestrichene Buchstaben oder Wörter, kunstvolle Initialen oder die Position der Unterschrift – all diese Aspekte sind Informationsträger, zu denen man nur Zugang erhält, wenn man sich die Handschrift anschaut. Gleichzeitig muss man sich die Schrift regelrecht erschließen: Buchstaben sehen anders aus, Wörter sind ungewohnt geschrieben, es gibt Kritzeleien und Schönschriften. Genau dieses praktische Ausprobieren wollte ich weitergeben.

Im Seminar haben Sie nicht nur sachliche Quellen wie Kanzleibriefe eingebaut, sondern auch ungewöhnliche Dokumente wie Dorfmythen. Wie kam es dazu?

Mir war wichtig, dass die Studierenden nicht nur mit besonders ordentlich geschriebenen Schriften arbeiten. Deshalb haben wir neben offiziellen diplomatischen Quellen auch Dokumente angeschaut, die fernab vom höfischen Kontext entstanden sind und von nicht-professionellen Schreiber-/innen stammen. Beispielsweise haben sich Leute aus einem brandenburgischen Dorf über Frösche beklagt, die zu laut quaken. Oder wir haben uns einen Brief angeschaut, in dem sich ein Pfarrer über einen anderen Pfarrer beschwert.

Wird es eine Praxisübung „Quellen lesen und interpretieren 2.0“ geben?

Die Nachfrage spricht absolut dafür, das Angebot weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Deshalb plane ich, die Praxisübung regelmäßig anzubieten. Der grundsätzliche Aufbau soll aber ähnlich bleiben. Als Neuerung denke ich an einen Archivbesuch, damit die Teilnehmenden historische Quellen einmal tatsächlich in den Händen halten und haptisch erfahren können.

https://www.fau.de/2026/09/news/studium/lehrpreis-fuer-praxisuebung-zu-alten-schriften