Kaum UV-Schutz, ein verbotener Inhaltsstoff: Unsere französischen Partner kauften auf Online-Plattformen Sonnenschutzmittel ein. Fast alle versagten krachend im Test.
Auf chinesischen Online-Marktplätzen kostet manche Tube Sonnencreme nicht mal zwei Euro, doch das Schnäppchen könnte mit erhöhten Gesundheitsrisiken bezahlt werden. Das zeigt ein Test unserer französischen Partnerorganisation Que Choisir Ensemble in Kooperation mit anderen europäischen Testinstitutionen. Die Kolleginnen und Kollegen haben Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF) auf den Internet-Plattformen Aliexpress, Shein und Temu eingekauft und untersucht. Die Ergebnisse erschrecken.
Sechs Produkte boten deutlich weniger Schutz als auf der Packung angegeben, einige wirkten praktisch gar nicht. Wer diese Produkte nutzt, wird nicht ausreichend vor schädlicher Strahlung und damit auch nicht vor Hautkrebs geschützt. Zudem enthielten drei Produkte den UV-Filter 4-MBC (4-Methylbenzylidene Camphor). Er ist seit Mai 2026 in der EU verboten, weil er hormonell wirken kann.
Tipp: Zuverlässige Sonnenschutzmittel finden Sie in unseren Tests von Sonnencremes, Kinder-Sonnencremes und Sonnencremes für Gesicht.
Die französische Verbraucherorganisation Que Choisir Ensemble hat in Kooperation mit weiteren europäischen Verbraucherschutzorganisationen 17 Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF 50, 50+, 90 und 90+) bei Aliexpress, Shein und Temu geordert. Die Bestellungen erfolgten im April 2026, einige kamen nicht fristgerecht zur Prüfung an oder waren Markendoppelungen. Am Ende wurden 10 Produkte in den Test aufgenommen. Die Einkaufspreise der getesteten Produkte reichten von 1,55 bis 6,65 Euro pro Stück.
Am Anfang des Tests stand die Auswertung der Inhaltsstofflisten. Drei Produkte fielen negativ auf: Sie deklarierten den UV-Filter 4-MBC. Laut Europäischer Kommission kann er mit dem Schilddrüsen- sowie mit dem Östrogensystem interagieren. Der Verkauf von Produkten mit 4-MBC ist seit Mai 2026 in der EU verboten, schon seit Mai 2025 dürfen in der EU keine Kosmetika mit diesem Inhaltsstoff mehr in den Handel gebracht werden. Die vier Sonnencremes wurden deswegen von den anschließenden Laborprüfungen ausgeschlossen. Es handelte sich um folgende Produkte:
Sieben Produkte gelangten in die zweite Prüfrunde im Labor, wo ihr Sonnenschutz gemessen wurde. Sechs Sonnencremes versagten. Sie alle boten keinen ausreichenden Schutz gegen UVA-Strahlung. Bis auf eine Ausnahme wurde auch der versprochene Lichtschutzfaktor nicht ansatzweise erreicht. Der Lichtschutzfaktor bezieht sich auf die UVB-Strahlung und damit auf den Schutz vor Sonnenbrand. Sowohl UVA- als auch UVB-Strahlung erhöhen das Hautkrebsrisiko. Diese Produkte waren betroffen:
Die Produkte von Melao, LBLS, Disaar und Ruoall blockierten UV-Strahlen kaum oder gar nicht – sie haben einen Lichtschutzfaktor von 2,1 oder noch weniger. „So etwas haben wir noch nie erlebt, seit wir Sonnenschutzcreme testen“, schreibt Que Choisir. Die Produkte ähneln eher einer Bodylotion.
Den deklarieren Schutz bot nur eine Sonnencreme: Ouhoe Sunscreen SPF 50, eingekauft bei Temu und Aliexpress für 1,55 Euro pro Tube. Allerdings kritisierte Que Choisir, dass der UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate (Octinoxat) zugesetzt war. Die Franzosen stufen ihn als unerwünscht ein, da er als hormonell wirksam gilt.
Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission stuft den Filter dagegen als sicher ein. Er ist in der EU zugelassen. Auch wir bewerten ihn in unserer Testarbeit als nicht kritisch und werten Sonnencremes, die ihn enthalten, nicht ab.
Das Test-Team von Que Choisir Ensemble bat die Anbieter der Online-Plattformen um Stellungnahme zu den Ergebnissen – auch wir hakten zusätzlich noch einmal nach. Temu und Shein antworteten, man habe die kritisierten Produkte aus dem Verkauf genommen und vorübergehend den Verkauf aller ähnlichen Sonnenschutzmittel in der EU ausgesetzt und Überprüfungen eingeleitet. Laut Que Choisir Ensemble hat auch Aliexpress die Produkte aus dem Test zurückgenommen. Wir erhielten von diesem Anbieter keine Antwort auf unsere Anfrage.
In einem früheren Test von Online-Marktplätzen der Stiftung Warentest waren Billiganbieter aus Asien ebenfalls negativ aufgefallen, zum Beispiel durch minderwertige Haartrockner, Ladegeräte und Powerbanks.
Im Juli 2026 teilte die Europäische Kommission mit, dass die EU gegen den chinesischen Online-Marktplatz Aliexpress ein Bußgeld in Höhe von 550 Millionen Euro verhängt habe. Grund: Der Anbieter habe die Risiken in Zusammenhang mit illegalen, unsicheren und gefälschten Produkten auf seiner Plattform nicht sorgfältig geprüft und begrenzt – darunter auch Kosmetika.