„iHub Graz“ macht Spitzen-Spin-offs gezielt investor-ready

15.7.2026 - Susanne Filzwiese | Technische Universität Graz

Die Medizinische Universität Graz, die Universität Graz und die TU Graz bündeln einmal mehr ihre Kräfte und gründen einen gemeinsamen Innovation Hub Graz (iHub Graz). In diesem Transferzentrum werden ausgewählte, besonders vielversprechende akademische Spin-offs gezielt „investor-ready“ gemacht.

Der iHub Graz soll akademische Spin-offs in die nächste Finanzierungsphase führen, nach der Ausgründung die Lücke bis zum Einstieg von Risikokapitalgebern schließen und die Sichtbarkeit vielversprechender Grazer Spin-offs für internationale Investorinnen und Investoren erhöhen.

Der iHub Graz: Speerspitze im bestehenden Innovations- und Transfersystem

Der iHub Graz ist bewusst als fokussierte Spitze innerhalb des etablierten Grazer Innovationsökosystems gedacht. Er setzt dort an, wo aus Forschungsideen bereits erste unternehmerische Ansätze entstanden sind, wo es aber noch Lücken und Hürden auf dem Weg zu Unternehmen gibt – etwa nach Programmen wie der Gründungsgarage, die Studierende und Forschende früh bei Gründungsvorhaben begleitet, und nach Inkubationsstrukturen wie den Science Park Graz oder Unicorn Graz, die Startups aus dem universitären Umfeld unterstützen. Ziel ist es, die besten universitären Gründungen im iHub Graz zusammenzuführen und gezielt auf Investitionsreife zu bringen.

Mit dem iHub Graz entsteht erstmals eine gemeinsame, klar sichtbare Schnittstelle nach außen. Investorinnen und Investoren verhandeln künftig nicht mehr mit einzelnen Universitäten, sondern mit einer zentralen Einrichtung und nach klar definierten IPR-Regelungen. Zugleich bleibt die enge Anbindung an die Universitäten gewahrt.

„Mit dem iHub Graz geben wir als Grazer Universitäten ein gemeinsames Leistungsversprechen: Wir bringen die besten Ideen schneller in den Markt, bündeln Ressourcen, bieten Investorinnen und Investoren im One-stop-shop-Prinzip eine gemeinsame Anlaufstelle und erhöhen die Investitionsreife – mit klarem Impact für Gesellschaft, Wirtschaft und Standort. Unser Maßstab sind Ergebnisse, nicht Zuständigkeiten“, so TU Graz-Rektor Horst Bischof, Uni Graz-Rektor Peter Riedler und Med Uni Graz- Vizerektor Alexander Rosenkranz unisono.

Startphase, Finanzierung und Führung

Der Aufbau des iHub Graz beginnt jetzt mit einer definierten Startphase. Die drei Universitäten sind zu je einem Drittel an der Transfergesellschaft beteiligt und statten den iHub Graz mit rund sechs Millionen Euro für die nächsten sieben Jahre aus, um ihn rasch in eine arbeitsfähige Struktur zu überführen. Parallel dazu wird die Geschäftsführung international ausgeschrieben. Gesucht wird eine Persönlichkeit mit ausgewiesener Erfahrung im Aufbau vergleichbarer Innovations- und Transferzentren, die den Innovations-Hub in den ersten Jahren unabhängig von kurzfristigen Finanzierungsdebatten strategisch weiterentwickelt.

„Mit dem iHub Graz entsteht eine zentrale Plattform für akademische Ausgründungen mit professionellem IP- und Beteiligungsmanagement, klaren Prozessen und direktem Zugang zu Infrastruktur und Investorennetzwerken. Unser klares Ziel ist ein nahtloser Übergang von der Förderung zu Beteiligung und Finanzierung und damit mehr Wertschöpfung aus unserer Forschung. In Zeiten zunehmend kritischer Budgetsituation für die Universitäten erwarten wir uns in einigen Jahren einen angemessenen Return on Investment“, so die Universitätsleitungen unisono.

Auf dem Weg zum Venture Capital

Der iHub Graz bekommt eine schlanke Struktur mit operativ schlagkräftiger Geschäftsführung. An den Unis selbst gibt es Scouts, die High-Potential Projekte und Spin-offs frühzeitig identifizieren und die Überführung in die Transfergesellschaft nach definierten Kriterien wie IP-Reife, Personalstruktur oder Marktpotenzial vorbereiten. Der Innovation Hub unterstützt die qualifizierten Spin-offs auf ihrem Weg, übernimmt Mentoring und professionelles IP-Management im Auftrag der Universitäten. Kurz vor bzw. nach der Gründung organisiert die Transfergesellschaft Kapital aus Förder- und Partnerquellen, sodass Spin-offs 12 bis 18 Monate weiterarbeiten können, bis Venture Capitalists einsteigen. Danach zieht sich die Transfergesellschaft operativ zurück, bleibt aber als passiver Anteilseigner dabei. Der Vorteil: Dank dieser gebündelten Unterstützung und standardisierter Prozesse verbessert sich die Verhandlungsposition der Spin-offs gegenüber den Risikokapitalgebern und führt zu besseren Konditionen und Bewertungen.

Großes Potenzial unter Spin-offs der drei Grazer Unis

Für die drei Grazer Universitäten ist die Ausgründungskultur zu einem wichtigen Innovationsmotor geworden und der iHub Graz soll diese Dynamik weiter verstärken. Es wird erwartet, dass sich gleichzeitig immer rund zehn akademische Spin-offs im iHub Graz befinden.

Dass das steirische Innovationsökosystem funktioniert, zeigen die Unternehmensgründungen aus dem Umfeld der drei Unis: In den vergangenen zehn Jahren haben sie rund 200 Ausgründungen hervorgebracht, die hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen und Forschungsergebnisse rasch in den Markt bringen. Besonders stark sind die Bereiche Life Sciences und MedTech (z.B. Innophore, PureSurf, Cycuria, BRAVE Analytics, elyte diagnostics, smaXtec), AI und Cybersecurity (z.B. TACEO, Leftshift One), sowie Green Tech (z.B. Easelink, ProtectLIB).

Frisches Kapital für innovative Start-ups

Das Wirtschaftsressort des Landes und die Raiffeisen Landesbank Steiermark unterstützen steirische Start-ups mit einer eigenen Kapitaloffensive. Insgesamt stehen zehn Millionen Euro zur Verfügung, die Start-ups dabei helfen sollen, zu wachsen. Die Offensive richtet sich an Startups und Scaleups, die jünger als 10 Jahre sind, den „Proof of Market“ erfolgreich erbracht haben oder sich bereits auf Wachstumskurs befinden.

Während also der iHub Graz erfolgversprechende akademische Spin-offs der drei Grazer Unis zur Investitionsreife führt, stellt diese aktuelle Kapitaloffensive von Land Steiermark mit dem Bankpartner ergänzend dazu gezielt Mittel für die Wachstumsphase bereit, die ideal sind für das Wachstum der Firmen im iHub Graz.


Starke Standortwirkung

Der iHub Graz wird junge Unternehmen im Grazer Innovationsökosystem halten und in der Region weitere Arbeitsplätze schaffen. Zugleich verankern Med Uni Graz, TU Graz und Uni Graz mit dem iHub Graz die Steiermark als ernstzunehmenden Venture Capital-Standort für DeepTech und Life Sciences unter der internationalen Venture Capital Community.

Einmal mehr beweisen die Grazer Universitäten damit, dass ihre Stärke und Innovationskraft in ihrer Kooperationskultur begründet ist. Sie agieren nicht als isolierte Einheiten, sondern als abgestimmtes Gefüge mit klaren Profilen und gemeinsamen Entwicklungszielen. Kooperationen wie BioTechMed-Graz oder NAWI Graz sind weitere kooperative Grazer Erfolgsmodelle. Von dieser Kooperationskultur profitieren nicht nur die Unis selbst sondern auch der Standort.

Uni Graz, TU Graz und Med Uni Graz kooperieren sind „BioTechMed-Graz“
Die Forschungskooperation BioTechMed-Graz bündelt seit 2013 die biomedizinische Spitzenforschung von Uni Graz, TU Graz und Med Uni Graz an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung, Technologie und medizinischer Anwendung. Im Fokus stehen gemeinsame Forschung an zentralen Gesundheitsthemen, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die gemeinsame Nutzung von Forschungsinfrastruktur. Darüber hinaus stärkt BioTechMed-Graz mit Vernetzungsformaten und öffentlichen Veranstaltungen den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Kontakt

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