Grußwort von Außenminister Johann Wadephul bei der Konferenz zur deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit im Bereich kritischer Rohstoffe in Brasilia

6.7.2026 - Rede | Auswärtiges Amt

Übersetzung der Rede aus dem Englischen.

Deutschen und Brasilianern werden oft unterschiedliche Stärken zugeschrieben:

In Deutschland sind wir stolz auf Präzision, Pünktlichkeit und sorgfältige Planung.

In Brasilien legen Sie eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit an den Tag, damit alles funktioniert – auch, wenn sich Pläne ändern.

Wenn es um kritische Rohstoffe und sich verändernde Lieferketten geht, brauchen wir beides: Planung und die Flexibilität, diese Planung in die Praxis umzusetzen.

Genau deshalb sind wir heute hier.

Deutschland und Brasilien mögen Tausende Kilometer voneinander entfernt sein. Doch auf der heutigen Konferenz geht es darum, diese Entfernung zu überbrücken. Es geht darum, eine Brücke für kritische Rohstoffe zu bauen. Eine Brücke, die unsere Stärken, unsere Volkswirtschaften, unsere Industrien und unsere gemeinsamen Zukunftsvisionen verbindet.

Für Deutschland hat die Diversifizierung unserer Lieferketten für kritische Rohstoffe oberste Priorität.

Unser Ziel ist dabei klar: Wir wollen Abhängigkeiten von einzelnen Zulieferern reduzieren und eine engere Kooperation mit verlässlichen Partnern wie Brasilien fördern.

Erst vor zwei Wochen hat Deutschland dieses Ziel beim G7-Gipfel in Frankreich unterstrichen, als die G7-Mitglieder eine nichtverbindliche Allianz für kritische Rohstoffe ins Leben riefen, welche für den Austausch mit gleichgesinnten Partnern offen ist.

Bei unserem gemeinsamen Bestreben, globale Lieferketten für kritische Rohstoffe zu stärken und zu diversifizieren, ist Brasilien für uns ein Schlüsselpartner. Aufgrund der weltweit zweitgrößten Vorkommen an seltenen Erden und zahlreicher weiterer kritischer Rohstoffe kommt Brasilien eine enorme strategische Bedeutung zu.

Wir sind jedoch überzeugt, dass unsere Partnerschaft weit über im Boden befindliche Rohstoffe hinausgeht.

Brasilien ist für Deutschland deshalb ein so wichtiger Partner, weil wir durch dieselben Interessen und Werte verbunden sind: erstens verbindet uns das Streben nach diversifizierten und resilienten Handelsbeziehungen. Und zweitens, eine verlässliche, langfristige und vertrauensvolle Partnerschaft.

Meine Damen und Herren, auch Deutschland bringt wichtige Stärken in diese Partnerschaft ein: Wir bieten eine starke Nachfrage nach kritischen Rohstoffen und einen attraktiven Markt für brasilianische Unternehmen.

Darüber hinaus bringt die deutsche Industrie umfassende Expertise mit: in den Bereichen Bergbau, Verarbeitung, fortschrittliche Fertigung, Technologie und Forschung – einschließlich Unternehmen, die bereit sind, in Brasilien zu investieren.

Kurz gesagt: Wir möchten mit Brasilien entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Rohstoffe zusammenarbeiten – von der Erschließung über die Gewinnung bis hin zu Verarbeitung, Recycling, Innovation und der Entwicklung neuer Technologien.

Die Wirtschaftsdelegation, die mich heute begleitet, steht für unsere Entschlossenheit, die industrielle Zusammenarbeit zu vertiefen und Ergebnisse zu erzielen, die beiden Seiten zugutekommen.
Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit mehr beinhalten muss als die bloße Absicherung der Versorgung.

Wir sind gleichermaßen an lokaler Wertschöpfung, der Stärkung der Verarbeitungskapazitäten und der Unterstützung der industriellen Entwicklung in Brasilien interessiert. Ferner bekennen wir uns zur Förderung hoher Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Mit anderen Worten: Die Brücke, die wir bauen, sollte nicht nur stark, sondern auch nachhaltig sein und den Unternehmen und Menschen auf beiden Seiten dienen.

Meine Damen und Herren, Deutschland und Brasilien haben 2024 eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen – eine ausgezeichnete Grundlage, um unsere Zusammenarbeit auf eine neue Stufe zu heben.

Nun ist es an der Zeit, konkrete Ergebnisse zu liefern.

Auf der heutigen Konferenz geht es darum, die zentralen Akteure zusammenzubringen; es geht darum, das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

Vielen Dank.



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