Mit dem ersten Hafentag Nordrhein-Westfalen haben die Duisburger Hafen AG (duisport) und die Dortmunder Hafen AG am Donnerstag (2. Juli) im Kongresszentrum der Dortmunder Westfalenhallen die wirtschafts- und industriepolitische Relevanz der Häfen hervorgehoben und zugleich mehr Planungssicherheit eingefordert. Rund 150 Teilnehmende diskutierten unter dem Leitmotiv »Häfen stärken NRW – Für eine starke Wirtschaft und eine sichere Zukunft« die Rolle der Häfen für Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Resilienz. „Gemeinsam wollen wir die Häfen sichtbarer machen und ihre gesellschaftliche Bedeutung stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen“, sagte Bettina Brennenstuhl, Vorständin der Dortmunder Hafen AG, in ihrer Begrüßung.
Zum Auftakt der Veranstaltung richteten neben Bettina Brennenstuhl auch Dr. Christoph Ploß (MdB), Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, sowie NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer ihre Botschaften an die Teilnehmenden. Ploß betonte per Videonachricht: „Unsere Häfen brauchen Planungssicherheit“ und sprach sich für ein starkes Signal für Zusammenarbeit und Investitionen aus. Minister Oliver Krischer unterstrich die grundlegende Bedeutung der Hafenstandorte: „Häfen sind Logistikstandorte, ohne die unser Land nicht funktionieren würde.“
In seiner Keynote warnte Björn Theis, Vice President und Head of Evonik Foresight, vor den Folgen aufgeschobener Reformen und bröckelnder Infrastruktur. „Wer Transformation will, darf nicht auf der langen Bank sitzen bleiben“, sagte Theis und bilanzierte verschiedene Szenarien einer Zukunftsstudie. Diese Perspektive zog sich durch die beiden Diskussionsrunden der Veranstaltung, an der Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung teilnahmen.
Im ersten Panel wurde anhand praktischer Beispiele deutlich, dass das Binnenschiff für viele Unternehmen als Transportmittel unverzichtbar ist. Zugleich rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie sich die Zukunftsfähigkeit der Häfen künftig bemisst: nicht allein an der umgeschlagenen Tonnage, sondern zunehmend an der Art und strategischen Bedeutung der Güter. An die Stelle klassischer Massengüter könnten künftig verstärkt Wind- und Solarenergiekomponenten, Wasserstoff oder Güter aus dem Bereich der Kreislaufwirtschaft treten.
Markus Bangen, CEO der Duisburger Hafen AG, formulierte mit Blick auf die Infrastrukturpolitik deutlich: „Das Vertrauen der Industrie in die Politik ist beim Thema Wasserstraße angekratzt. Viele Investorinnen und Investoren bezweifeln, dass die Wasserstraße höchste Priorität genießt – doch genau diese Verlässlichkeit ist die Voraussetzung für große Investitionsentscheidungen.“
Im zweiten Panel stand die Frage im Mittelpunkt, wie die Verkehrs- und Energiewende in Nordrhein-Westfalen gelingen kann. Diskutiert wurden dabei die Voraussetzungen für bezahlbare, verlässliche und klimafreundliche Transporte ebenso wie der Investitionsbedarf in Infrastruktur und Technik. Zugleich ging es um bürokratische Hürden, Restriktionen der Infrastruktur sowie um konkrete Lösungsansätze wie Mikrokorridore und den Schutz bzw. die Ausweitung von Hafenflächen. Deutlich wurde auch hier: Häfen sind nicht nur ein Thema der Verkehrspolitik, sondern ebenso der Industrie- und der Energiepolitik. Sie sichern Arbeitsplätze, stärken die Versorgungssicherheit und schaffen die infrastrukturellen Voraussetzungen für neue Märkte. Und: Sie sind Teil der Lösung, wenn es darum geht, die Klimaziele zu erreichen. Nur ein Beispiel: Ein durchschnittliches Binnenschiff ersetzt 100 bis 150 Lkw. Auf stark befahrenen Wasserstraßen wie dem Rhein können Großmotorgüterschiffe sogar bis zu 400 Lkw überflüssig machen.
Der Hafentag Nordrhein-Westfalen wurde mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen ausgerichtet und soll künftig jährlich stattfinden. Die Fortsetzung des Formats ist im kommenden Jahr in Duisburg geplant. Die Veranstalter sehen in dem neuen Forum einen wichtigen Beitrag, um die Kräfte der Hafenwirtschaft zu bündeln, die Sichtbarkeit der Branche zu erhöhen und den Austausch mit Politik und Verwaltung weiter zu intensivieren.