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        Marktkommentar: Europäische Renditen werden von fiskalischen Sorgen dominiert
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        30.9.2026
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        Jonas Krettek | Deutsche Apotheker- und Ärztebank
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        Die Renditen der Staatsanleihen steigen sowohl in den USA als auch in Europa – aber aus unterschiedlichen Gründen. Während in Amerika hohe Staatsschulden bei steigenden Zinsen Sorge bereiten, sind es in Europa vor allem politische Unsicherheiten, die zu steigenden Laufzeitprämien beitragen. Was das für Anleger bedeutet, führt Jonas Krettek, Investmentstratege der apoBank, aus:
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Sowohl in Europa als auch in den USA sind die Renditen langfristiger Staatsanleihen zuletzt deutlich gestiegen. Die Zerlegung der Renditeentwicklung zeigt jedoch, dass die Ursachen unterschiedlich sind. Während in den USA vor allem robuste Konjunkturdaten und höhere Zinserwartungen eine Rolle spielen, ist der Anstieg in Europa zunehmend Ausdruck wachsender Fiskal- und Politiksorgen.

Besonders in Frankreich ist dieser Effekt seit Anfang Juli sichtbar. Ein entscheidender Impuls war das Urteil des Berufungsgerichts im Fall von Marine Le Pen, das ihre Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 ermöglicht. Da Marktteilnehmer ihrem politischen Lager gute Chancen bei der ersten Wahlrunde einräumen, rückten Fragen nach dem künftigen finanzpolitischen Kurs des Landes stärker in den Fokus.

In der Folge stieg die von Anlegern verlangte Laufzeitprämie deutlich an und erklärt inzwischen mehr als die Hälfte des Renditeanstiegs französischer Staatsanleihen seit Jahresbeginn. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die hohe Staatsverschuldung, die bevorstehenden Haushaltsverhandlungen sowie anstehende Bonitätsprüfungen durch die Ratingagenturen. Der Druck beschränkt sich dabei nicht auf Frankreich, sondern strahlt zunehmend auch auf andere europäische Rentenmärkte, einschließlich deutscher Bundesanleihen, aus.

In den USA zeigt sich dagegen bislang kein vergleichbarer Anstieg der Laufzeitprämien. Trotz einer Staatsverschuldung von mittlerweile über 40 Billionen US-Dollar werden die höheren Renditen dort vor allem durch fundamentale Faktoren erklärt. Die US-Wirtschaft präsentiert sich weiterhin robust, während Fed-Chef Kevin Warsh sowohl in Jackson Hole als auch im Rahmen der jüngsten FOMC-Kommunikation die Priorität der Inflationsbekämpfung deutlich betonte. Entsprechend haben die Märkte wieder einen höheren Leitzinspfad eingepreist.

Aus Anlegersicht spricht dies für Zurückhaltung bei langlaufenden Staatsanleihen. Insbesondere in den USA besteht das Risiko, dass die hohe Staatsverschuldung künftig stärker in Form einer höheren Laufzeitprämie eingepreist wird und damit zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Renditen ausübt.

Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir bei Staatsanleihen weiterhin kürzere Laufzeiten. Diese bieten attraktive laufende Erträge und sind zugleich weniger anfällig für einen möglichen Anstieg der Laufzeitprämien infolge wachsender Fiskalsorgen.


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