
<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<tiskova_zprava>
    <titulek>
        „Wir wollen ansprechbar sein – bevor es brennt“
    </titulek>
    <datum>
        28.9.2026
    </datum>
    <autor>
          | Universität Trier
    </autor>
    <perex>
        Lara Krell und Dr. Lothar Müller sind das neue Sprecherteam des akademischen Mittelbaus der Universität Trier. Der akademische Mittelbau ist eine vielfältige Gruppe: Dazu gehören wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in unterschiedlichen Karriere- und Beschäftigungsphasen, in Forschung und Lehre oder in zentralen Einrichtungen der Universität. Der Rat des akademischen Mittelbaus bündelt ihre Interessen und bringt diese in die universitären Gremien und Entscheidungsprozesse ein. Bereits in den vergangenen Amtszeiten gehörten unter anderem Befristungen, Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die stärkere inneruniversitäre Partizipation des Mittelbaus zu den zentralen Themen.
    </perex>
    <text>
        

Für die kommende dreijährige Amtszeit wurden Dr. Lothar Müller (Dipl.-Psych., Dipl.-Päd.) aus Fachbereich I und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Lara Krell, M.Sc. in Applied Statistics und Doktorandin in Fachbereich IV, als Sprecher und Sprecherin des akademischen Mittelbaus gewählt. Lothar Müller ist mit 10 Amtsjahren dienstältestes gewähltes Senatsmitglied sowie nun in seiner dritten Amtszeit als Sprecher des Mittelbaus. Lara Krell ist neu in Senat und Rat und bringt insbesondere die Perspektive von Nachwuchswissenschaftler*innen und Promovierenden ein. Im Gespräch erklären beide, was sie motiviert, welche Themen sie beschäftigen und wie sie die Interessen der unterschiedlichen Gruppen innerhalb des Mittelbaus zusammenbringen wollen.


Frau Krell, Herr Müller, was hat Sie dazu bewogen, für das Sprecherteam des akademischen Mittelbaus zu kandidieren?

Lara Krell: Ich sehe in unserer Kandidatur auch die unterschiedlichen Gruppen des akademischen Mittelbaus abgebildet. Ich selbst gehöre zur Gruppe der befristet beschäftigten Nachwuchswissenschaftler und promoviere. Wenn man sich die verschiedenen Gremien anschaut, fällt auf, dass Promovierende dort bislang weniger vertreten sind. Das war für mich ein wichtiger Grund, zunächst für den Senat und nun auch als Sprecherin des Mittelbaus zu kandidieren. Gerade bei Themen wie Befristungen halte ich es für wichtig, dass die Perspektive von Promovierenden und Nachwuchswissenschaftlern unmittelbar eingebracht wird.

Dr. Lothar Müller: Der akademische Mittelbau ist mit mehr als 600 Beschäftigten eine sehr heterogene Gruppe. Es ist deshalb wichtig, unterschiedliche Interessen und Lebenslagen wahrzunehmen und in die Hochschulpolitik einzubringen.

Ich bin schon relativ lange in diesem Bereich engagiert. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass es jenseits der formalen Gremienstrukturen ganz entscheidend ist, persönlich ansprechbar zu sein. Oft geht es um Menschen, die sich in einer schwierigen beruflichen Situation befinden und nicht unmittelbar den Weg in ein Gremium suchen. Sie brauchen zunächst eine vertrauenswürdige Person, mit der sie unkompliziert sprechen können. Ich hoffe, dass ich dieses Vertrauen in den vergangenen Jahren rechtfertigen konnte. Das motiviert mich, diese Arbeit fortzusetzen.

An einer Universität geht es immer auch um Menschen. Strukturelle Probleme wirken sich auf die individuelle Situation aus – und vielleicht ganz besonders für Menschen im Mittelbau, die sich häufig in einer sowohl biografischen wie hierarchischen Zwischenposition befinden, welche besonders belastend sein kann.


Welche Themen begegnen Ihnen derzeit besonders häufig?

Lara Krell: Ein zentrales Thema ist das Wissenschaftszeitvertragsgesetz und damit verbunden die Befristung wissenschaftlicher Stellen. Für Promovierende und Nachwuchswissenschaftler ist außerdem der Beschäftigungsumfang ein wichtiges Thema. Die Empfehlung, Stellen für Promovierende mit einem Umfang von mindestens 65 Prozent auszugestalten, wird in der Praxis nicht überall umgesetzt. Das unterscheidet sich auch teilweise zwischen den Fachbereichen.

Dr. Lothar Müller: Hinzu kommt die Frage, wie verlässlich und planbar wissenschaftliche Karrieren überhaupt sind. Es gibt zwar mehr Juniorprofessuren als früher, aber das reicht natürlich nicht aus, um allen Qualifizierten eine langfristige Perspektive zu eröffnen.

Das hat dann auch eine ganz konkrete gesellschaftliche Dimension: Viele Menschen befinden sich während ihrer wissenschaftlichen Qualifikation in einer Lebensphase, in der typischerweise Familien gegründet werden. Wenn berufliche Perspektiven und Beschäftigungsverhältnisse unsicher sind, erschwert das die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familie erheblich.


Auch die abgeschlossene Profilbildung und die derzeit laufende Strategiebildung der Universität beschäftigt den Mittelbau. Was erwarten Sie von diesem Prozess?

Dr. Lothar Müller: Der Profilbildungs- und Strategieprozess der Universität ist ein wichtiges Thema, das uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Insbesondere bei der Umsetzung der bereits angestoßenen Veränderungen wollen wir darauf achten, dass die Interessen des Mittelbaus berücksichtigt bleiben.

Dabei sehen wir das Thema differenziert. So wird aktuell über Departmentstrukturen mit ihren Chancen und Risiken gesprochen. Für manche Promovierende kann es interessant sein, nicht ausschließlich einer einzelnen Professur zugeordnet zu sein. Inhaltlich wie strukturell bietet ein solches Modell potentiell mehr Freiheiten und Schutz vor Vereinnahmung bis hin zur Ausbeutung. Eine enge Anbindung an eine Professur wird von anderen aber gerade positiv bewertet, natürlich insbesondere dann, wenn das Betreuungsverhältnis für alle Beteiligten fruchtbar ist. Diese unterschiedlichen Perspektiven müssen gegeneinander abgewogen werden.


Wie wollen Sie die sehr unterschiedlichen Interessen innerhalb des Mittelbaus zusammenführen?

Lara Krell: Zunächst ist es wichtig, dass die Gremien selbst möglichst heterogen besetzt sind. Wir wollen den regelmäßigen Austausch mit den unterschiedlichen Gruppen suchen. Und zwar nicht erst dann, wenn es brennt, sondern frühzeitig und proaktiv.

Dr. Lothar Müller: Wir arbeiten dabei nicht isoliert. Als Sprecherteam verstehen wir uns als Teil eines größeren Netzwerks, zu dem unter anderem der Rat des akademischen Mittelbaus, das Graduiertenzentrum, die Promovierendenvertretung und weitere Gremien gehören. Einmal jährlich findet eine Vollversammlung des akademischen Mittelbaus statt; semesterweise alternierend gibt es die Versammlung des Rates des akademischen Mittelbaus. Diese Strukturen bieten die Möglichkeit, Themen zu bündeln und dann in die entsprechenden verfassten Gremien weiterzutragen.

Natürlich kann man zu zweit nicht jeder einzelnen Perspektive immer gerecht werden. Aber unser Anspruch ist, möglichst viele Stimmen wahrzunehmen und miteinander zu verbinden.


Welche drei großen Themen stehen für Ihre Amtszeit besonders im Mittelpunkt?

Lara Krell: An erster Stelle stehen für mich die Arbeitsbedingungen von Nachwuchswissenschaftlern und damit insbesondere die Themen, die mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz und befristeten Beschäftigungsverhältnissen zusammenhängen.

Der zweite große Punkt ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gerade für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das eine wichtige Frage.

Und als drittes sehe ich die Beteiligung und Sichtbarkeit des Mittelbaus: Wie gelingt es, die Interessen dieser großen und vielfältigen Gruppe innerhalb der Universität noch besser einzubringen und den Austausch untereinander zu stärken?

Dr. Lothar Müller: Hinzu kommt für mich ganz besonders der Profilbildungsprozess und dessen konkrete Umsetzung. Hier wollen wir genau hinschauen und darauf achten, welche Auswirkungen die Veränderungen auf den Mittelbau haben.


Was hat sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren bereits verbessert?

Dr. Lothar Müller: Ich erlebe insgesamt eine gute Atmosphäre der Interaktion zwischen Hochschulleitung, Mittelbau und den verschiedenen Gremien. Auch mit dem Personalrat und wichtigen Menschen wie der Gleichstellungsbeauftragten arbeiten wir gut zusammen. Insgesamt gibt es eine langjährig gewachsene, tragfähige Kommunikationsstruktur, auf der man weiter aufbauen kann.

Ein weiterer Bereich, in dem ich positive Veränderungen wahrnehme, ist der Umgang mit Machtmissbrauch und übergriffigem Verhalten, welches in hierarchischen Systemen wie der Universität leider weiterhin aktuell ist und von dem der Mittelbau, insbesondere in Qualifikationsphasen, betroffen ist. Ich habe den Eindruck, dass die aktuelle Hochschulleitung für diese Themen sensibilisiert ist und ein offenes Ohr hat. Auch die verschiedenen Anlaufstellen innerhalb der Universität sind wichtig. Dass Menschen in hierarchischen Abhängigkeiten Schutz und Unterstützung finden können, ist für den Mittelbau von großer Bedeutung.


Wo sehen Sie dennoch weiteren Handlungsbedarf bei der Beteiligung des Mittelbaus?

Dr. Lothar Müller: Bei der strukturell verankerten Partizipation gibt es aus meiner Sicht noch Entwicklungsmöglichkeiten. Wir haben beispielsweise immer wieder die Idee einer zusätzlichen, dem Mittelbau vorbehaltenen Vizepräsidentschaft angesprochen. An anderen Universitäten gibt es solche Funktionen bereits. Analog zur von uns sehr positiv bewerteten neu eingerichteten studentischen Vizepräsidentschaft könnten die Perspektiven des Mittelbaus so dauerhaft in der Hochschulleitung verankert werden.

Auch bei anderen Entscheidungsstrukturen stellt sich für mich die Frage, ob der Mittelbau angemessener beteiligt werden könnte. Warum sollte es beispielsweise im Consilium Decanale nicht auch eine beratende Stimme des Mittelbaus geben?

Gleichzeitig gibt es bereits gute Ansätze wie den Jour Fixe mit der Präsidentin. Das ist ein positives Zeichen. Wir wünschen uns aber durchaus noch eine engere regelmäßige Zusammenarbeit.


Was wünschen Sie sich von der Zusammenarbeit mit Hochschulleitung, Senat und den anderen Hochschulgremien?

Lara Krell: Für mich ist vor allem wichtig, dass die Kommunikation weiter ausgebaut wird. Wir möchten tragfähige Netzwerke aufbauen, die auch über unsere eigene Amtszeit hinaus Bestand haben.

Dr. Lothar Müller: Entscheidend ist für mich, dass wir im Gespräch bleiben. Wir wollen nicht erst dann miteinander sprechen, wenn ein Problem bereits eskaliert ist. Wenn unterschiedliche Perspektiven frühzeitig aufeinandertreffen, lassen sich viele Dinge konstruktiver diskutieren.


Wenn wir uns in drei Jahren wieder zusammensetzen: Woran würden Sie erkennen, dass Ihre Amtszeit erfolgreich war?

Lara Krell: Ein konkretes Ziel wäre für mich, dass die Bedingungen für Promovierende, Postdocs und andere Nachwuchswissenschaftler verbessert wurden – insbesondere im Hinblick auf Planbarkeit, Arbeitsbedingungen und Familienfreundlichkeit. An der Universität gibt es bereits Überlegungen zu Mindestbeschäftigungsumfängen von 65 Prozent. Ich würde mir wünschen, dass aus den bisherigen Absichtserklärungen konkrete Verbesserungen werden.

Genauso wichtig ist mir, dass wir die Kommunikation und die Netzwerke innerhalb des Mittelbaus weiterentwickeln. Idealerweise können diejenigen, die das Amt nach uns übernehmen, auf diesen Strukturen aufbauen und die Arbeit weiterführen.

Dr. Lothar Müller: Für mich wäre es ebenfalls ein Erfolg, wenn wir bei den Beschäftigungsbedingungen und der Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren konkrete Fortschritte erreichen. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir als Sprecherteam während der gesamten Amtszeit als jederzeit hilfsbereit wahrgenommen werden.

Lara Krell: Genau. Uns ist vor allem wichtig, dass wir beide jederzeit ansprechbar sind. Und dass die unterschiedlichen Stimmen des Mittelbaus gehört werden - das ist letztlich unsere zentrale Aufgabe.


https://www.uni-trier.de/universitaet/news/beitrag?cHash=a00dd24ba56410fe8e3f1d27bcc5a59f&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=30469


    </text>
</tiskova_zprava>
