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        Gemeinsame Erklärung der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen zum 35. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrags zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zus
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    <datum>
        17.6.2026
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    <autor>
          | Auswärtiges Amt
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        Die Unterzeichnung des Vertrages über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vor 35 Jahren war ein Wendepunkt in den deutsch-polnischen Beziehungen, auf den wir mit Stolz zurückblicken.
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Deutschland und Polen sind heute nicht nur Nachbarn und Freunde, sondern enge gleichberechtigte Partner und verlässliche Verbündete, gemeinsam fest verankert in den europäischen und euroatlantischen Strukturen. Der Vertrag war nicht nur ein wichtiger Baustein im Prozess der polnisch-deutschen Aussöhnung, nach langen Zeiten der Spaltung und des Misstrauens, sondern der Startpunkt für eine tiefe, vertrauensvolle Zusammenarbeit auf allen Ebenen unserer Gesellschaft.

Die vor 35 Jahren geschaffenen institutionellen und rechtlichen Regelungen legten die Grundlagen für das heutige beispiellose Niveau der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, das wir vor allem den engagierten Menschen in unseren Ländern verdanken.

Seitdem haben sich unsere Länder tiefgreifend verändert. Vor allem aber finden wir uns in einer fundamental gewandelten geopolitischen Umgebung, insbesondere angesichts des umfassenden Angriffs Russlands auf die Ukraine. Im Bewusstsein der tragischen Geschichte des 20. Jahrhunderts tragen wir eine besondere Verantwortung für unsere Region und unseren Kontinent – als Verbündete in der NATO und Partner in der Europäischen Union. Die russische Aggression gegen die Ukraine hat uns vor neue politische Tatsachen gestellt. Unsere Reaktion darauf ist zur Messlatte unserer Verantwortung und Handlungsfähigkeit geworden. Das gemeinsame Engagement zur Stärkung der europäischen Sicherheit ist heute eine geopolitische Notwendigkeit. Der deutsch-polnische Beitrag zur Sicherung der Ostflanke ist ein gutes Beispiel hierfür. Die Unterzeichnung des neuen deutsch-polnischen Abkommens über die Verteidigungszusammenarbeit nehmen wir mit Freude zur Kenntnis. Das beweist unsere Entschlossenheit, gemeinsam zu handeln. Die deutsch-polnische Partnerschaft ist und bleibt ein tragender Pfeiler eines starken, geeinten Europas und einer wehrhaften NATO.

Die aggressiven Handlungen Russlands, insbesondere der hybriden Art und im Bereich der Desinformation, zielen auch auf uns. Sie sind darauf gerichtet, unsere Gesellschaften zu spalten, die öffentliche Ordnung zu zerstören sowie das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen zu untergraben. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden erfolgreich unsere Resilienz stärken und unsere Gesellschaften aufklären. Unser übergeordnetes Ziel bleibt der Schutz der europäischen Werte, inklusive Rechtsstaatlichkeit und freier Wahlen, und schließlich ein nachhaltiger und gerechter Frieden in der Ukraine, der die europäische Sicherheit stärkt. Die Lehren aus der Geschichte nehmen wir ernst. „Nie wieder Krieg“ ist keine leere Formel, sondern eine Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen.

Im Bewusstsein der deutschen Schuld bleibt uns unsere tragische Geschichte stete Mahnung. 81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlassen uns die letzten Zeitzeugen. Wir sind überzeugt, dass Geschichte verbinden kann. Das erfordert gegenseitiges Einfühlungsvermögen, aber auch konkrete Maßnahmen im Geiste der gemeinsamen Erklärung vom 1. Dezember 2025, die über Symbolik hinausgehen. Wir begrüßen die Umsetzungsschritte für die Errichtung des Denkmals für die polnischen Bürgerinnen und Bürger, Opfer des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Tyrannei in den Jahren 1939 bis 1945 in der Mitte Berlins, und sehen den Ergebnissen des Gestaltungswettbewerbs gegen Jahresende entgegen. Wir begrüßen die bisherigen Entscheidungen der Bundesregierung zur Rückgabe von geraubten Kulturgütern, die nach Polen gehören. Weitere Rückgaben werden folgen.

Unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit gibt uns Grund zur besonderen Zufriedenheit. Der Handelsaustausch zwischen Polen und Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Deutschland ist unter den drei größten Volkswirtschaften der Welt. Polen ist an der Schwelle, zu den größten zwanzig zu gehören. Die Struktur und das Profil unserer Handelsbeziehungen haben sich grundlegend verändert. Das trägt zum gemeinsamen Wohlstand, zur Entstehung neuer Arbeitsplätze und Entwicklung der zivilgesellschaftlichen Bindungen bei. Um das gesellschaftliche und wirtschaftliche Potential voll auszuschöpfen, brauchen wir jedoch neue Impulse. Unsere Unternehmer und Bürger warten auf die Weiterentwicklung der grenzüberschreitenden Infrastruktur und den Ausbau der Verkehrsverbindungen. Das erhöht nicht nur ihre Mobilität und erleichtert den Handel, es stärkt auch unser militärisches Potential. Wir sprechen uns auch für mehr Partnerschaften aus, insbesondere in den Bereichen, in denen unsere beiden Länder besonderen Handlungsbedarf sehen – von den Dual-Use-Technologien, über Digitalisierung und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz.

Die Europäische Union ist Dreh- und Angelpunkt unserer Zusammenarbeit. Ihre Stärkung und Stabilität ist unser strategisches Interesse. In diesem Sinne möchten wir einen gemeinsamen Beitrag zur Zukunft der Europäischen Union leisten. Wir haben keinen Zweifel, dass im Angesicht der zunehmenden Herausforderungen die Europäische Union zu unserem wichtigsten Schutz und Instrument der Durchsetzung unserer Interessen auf globaler Ebene wird.

Wie der Nachbarschaftsvertrag, so wird auch das Weimarer Dreieck in diesem Jahr 35 Jahre alt. Es steht wie kein zweites politisches Format für die wiedergewonnene Einheit und die Solidarität in Europa. Wir sind uns einig, das Weimarer Dreieck weiter für gemeinsame Impulse in der Außen- und Europapolitik zu nutzen und den Zusammenhalt in der Europäischen Union zu stärken. Wir begrüßen auch die intensive ressortübergreifende Zusammenarbeit im Weimarer Format.

Die Sichtweise auf die deutsch-polnischen Beziehungen hat sich grundlegend verändert. Wir stehen heute vor anderen Herausforderungen als im Jahre 1991. Polen und Deutschland können mehr leisten – es geht um unsere Freiheit, Sicherheit, Wohlstand. Wir tragen Verantwortung für die Zukunft – als Nachbarn, Partner, Verbündete. Wir werden diese Herausforderung meistern, in dem wir die Zukunft unserer Beziehungen noch enger gemeinsam gestalten: verantwortungsvoll, ehrlich und partnerschaftlich, im Sinne von ganz Europa.

https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2775338-2775338


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