Kritik an Langsamfahrstellen 26.8.2026 | Bayerische Staatsregierung Starke Zunahme von Langsamfahrstellen und Streckensperrungen. Auf 45 Linien im bayerischen Schienenpersonennahverkehr aktuell kein regulärer Fahrplan möglich Bayerns Verkehrsminister schreibt Brandbrief an DB-Infrastrukturvorstand: Verkehr in der Fläche nicht weniger wichtig als Hochleistungskorridore!  Bayerns Bahnverkehr ächzt unter einer immensen Zunahme an Beeinträchtigungen durch den Zustand des Schienennetzes. Im letzten Halbjahr ist allein die Zahl der Langsamfahrstellen im Freistaat von 100 auf rund 120 angestiegen. In Verbindung mit den mängelbedingten Streckensperrungen kann mittlerweile auf 45 Linien des bayerischen Schienenpersonennahverkehrs nicht mehr der reguläre Fahrplan gefahren werden. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter ist über diese Entwicklung äußerst verärgert und hat nun einen Brandbrief an den DB-Infrastrukturvorstand Dr. Philipp Nagl gerichtet: „Die Lage ist besorgniserregend und eine Zumutung für Fahrgäste und Eisenbahnverkehrsunternehmen im Bahnland Bayern. Die Sanierung von Hochleistungskorridoren ist wichtig, aber das bedeutet nicht, dass der Verkehr in der Fläche so stark vernachlässigt werden darf. Ich erwarte von der DB, schnellstmöglich einen nachvollziehbaren Masterplan mit konkreten Schritten vorzulegen, wie die Langsamfahrstellen im Freistaat zügig und nachhaltig reduziert werden können.“ Der Verkehrsminister beobachtet, dass die DB InfraGO AG vor allem im Freistaat das Problem mit den Langsamfahrstellen nicht in den Griff bekommt: „Wir zahlen im bayerischen Nahverkehr jährlich über 900 Millionen Euro Trassenentgelte, sind damit der größte Finanzgeber für die Instandhaltung der DB, und die DB will rückwirkend und künftig sogar noch mehr Trassenpreise von uns. Und dafür bekommen wir aber mit die schlechteste Gegenleistung. Das passt hinten und vorne nicht!“ Bei den aktuell betroffenen 45 Linien gelten entweder Notfahrpläne mit Schienenersatzverkehr, reduziertem Zugangebot, längeren Reisezeiten oder Haltausfällen, beziehungsweise sind die Züge durch nicht in den Fahrplan eingearbeitete Langsamfahrstellen permanent verspätet. Dies beeinträchtigt die ohnehin eingeschränkte Betriebsqualität weiter. Vor allem für die Verkehre rund um München und Augsburg ist die Lage dramatisch.  Besonders zugespitzt hat sich die Lage auf folgenden Strecken:  München – Mühldorf München – Mittenwald München – Ingolstadt Donauwörth – Nördlingen Nürnberg Nordost – Gräfenberg Schwandorf – Furth im Wald Ansbach – Crailsheim Murnau – Oberammergau Lindau – Friedrichshafen Linie S2 der S-Bahn München  Auch die Verbindungen von München ins Allgäu sind mit Langsamfahrstellen gespickt, speziell die Abschnitte München – Geltendorf und Biessenhofen – Hergatz. Der Netzbetreiber DB InfraGO AG hat jüngst weitere Baumaßnahmen zwischen München und Buchloe mit erheblichen Einschränkungen für die Fahrgäste angekündigt. Davon betroffen ist auch die stark nachgefragte S4 zwischen Puchheim und Geltendorf. Zudem hat die DB InfraGO AG angekündigt, dass sie den bereits seit Monaten bestehenden Notfahrplan zwischen München und dem Allgäu um weitere eineinhalb Monate bis mindestens Mitte Dezember dieses Jahres mit den betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen fortführen wird. Minister Bernreiter kritisiert, dass Langsamfahrstellen oder Streckensperrungen oft über viele Monate nicht beseitigt würden, weil es der DB InfraGO AG an den notwendigen Ressourcen fehle. Nachdem das örtliche Personal stark reduziert wurde, sei die Beseitigung von der Verfügbarkeit von Großgeräten wie Stopfmaschinen abhängig. Die DB InfraGO AG verfüge aber über zu wenige solcher Maschinen, deren Einsatz zudem immer wieder umpriorisiert werde oder an Defekten scheitere. „Dieser Zustand ist so nicht mehr hinnehmbar“, macht Bernreiter deutlich. „Er führt zu immer schlechteren Pünktlichkeitswerten und immer höheren Ausfallquoten im vom Freistaat bestellten Schienenpersonennahverkehr. Bereits in den Jahren 2024 und 2025 war die Pünktlichkeit dort jeweils auf Rekordtiefs gesunken. Und auch die Qualität beim Schienenpersonenfernverkehr und Schienengüterverkehr in Bayern leidet genauso darunter. Nur, wenn sich der Zustand der Infrastruktur schnell und nachhaltig bessert, wird sich dieser Trend ändern können.“ Pressemitteilung auf der Seite des Herausgebers https://www.bayern.de/kritik-an-langsamfahrstellen