Neue Heisenberg-Professur am Historischen Seminar 6.8.2026 | Leibniz Universität Hannover Prof. Dr. Magnus Ressel befasst sich mit der globalen Geschichte der Frühen Neuzeit und den Digital Humanities. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte der transatlantische Sklavenhandel seinen Höhepunkt. Sklavenhändler wie der westfälische Unternehmer Friedrich von Romberg, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts überwiegend von Brüssel aus agierte, waren zentral verantwortlich für die Aufrechterhaltung dieses Systems, durch das Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner nach Amerika entführt wurden – mit einer Todesrate von häufig über zehn Prozent bei den Atlantiküberfahrten. Der umfassende Nachlass des Unternehmers und Sklavenhändlers Friedrich von Romberg bietet die Möglichkeit für eine vertiefte Erforschung der deutschen Verflechtung in den transatlantischen Sklavenhandel für Historiker wie Prof. Dr. Magnus Ressel. Zum 1. Juli 2026 hat der Wissenschaftler eine Heisenberg-Professur zur Geschichte der Frühen Neuzeit / Digital Humanities an der Leibniz Universität Hannover (LUH) übernommen. Nach vielen Stationen im In- und Ausland, darunter Italien, Frankreich, Australien und die Niederlande, freut sich der Historiker nun auf Lehre und Forschung in Hannover. Momentan befasst er sich im Rahmen der Heisenberg-Professur mit dem Projekt „Schlüsselakteure des Alten Reichs im transatlantischen Sklavenhandel des 17. und 18. Jahrhunderts“. Dabei wird er auch vielfältige Verbindungen der Niederelbe mit dem Sklavenhandel aufzeigen. So sind aus Stade und Glückstadt seit den 1640er Jahren Sklavenschiffe unter schwedischer und dänischer Flagge und finanziert durch Hamburger Kapital in nicht geringer Zahl ausgefahren. Bereits in seiner Dissertation hat sich Ressel mit dem Thema des Menschenhandels befasst, jedoch im mediterranen Kontext. Seit dem 16. Jahrhundert wurden europäische Seefahrer von nordafrikanischen Korsaren gefangen genommen und verschleppt, unter anderem auch tausende von Lübeckern und Hamburgern. Im Gegensatz zu den Menschen aus Afrika, die überwiegend in die Karibik verschifft wurden, um auf Plantagen zu arbeiten, durften viele Europäer, vor allem diejenigen aus den Hansestädten, darauf hoffen, freizukommen und nach Hause zurückzukehren: Alle Seefahrer der beiden Hansestädte mussten damals einen Pflichtbeitrag in die sogenannte Sklavenkasse entrichten, der im Ernstfall durch Geldeinsatz und eine ausgefeilte Organisation mit Kontakten nach Nordafrika dafür sorgte, dass sie wieder aus den sogenannten „Barbareskenstaaten“ freigekauft werden konnten. „Quasi die erste öffentlich durchgesetzte Sozialversicherung der deutschen Geschichte“, erklärt Ressel. In der Lehre möchte der Heisenberg-Professor nicht nur Inhalte weitergeben, sondern auch Selbstvertrauen vermitteln. Dabei spielt auch das Thema Digitales eine Rolle. Die „Digital Humanities“ drängen immer weiter in das Fach Geschichte ein und insbesondere durch KI entstünden neue Möglichkeiten und Herausforderungen, sagt Magnus Ressel. Deshalb möchte er die Affinität der Studierenden zu digitalen Tools fördern, um so den Weg in die Arbeitswelt zu erleichtern: „Sobald das Selbstbewusstsein da ist und Berührungsängste abgebaut sind, ist die Freude über den Nutzen für die eigenen Forschungen ein starker Antrieb für eine selbstständige Vertiefung in die digitale Welt; auch über die Geschichtswissenschaft hinaus.“ Das Heisenberg-Programm Das Heisenberg-Programm der DFG zielt darauf ab, herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die alle Voraussetzungen für die Berufung auf eine Langzeit-Professur erfüllen, zu fördern, sodass sie sich auf eine wissenschaftliche Leitungsposition vorbereiten und in dieser Zeit weiterführende Forschungsthemen bearbeiten können. https://www.uni-hannover.de/universitaet/aktuelles/online-aktuell/details/news/neue-heisenberg-professur-am-historischen-seminar