175 Jahre Gießener Germanistik: Kleine Anfänge, neues Straßenschild und versiegelte Zeitkapsel

Datum9.10.2026
SubjektJustus-Liebig-Universität Gießen
RegionNěmecko
KategorieKultura, Školství, Univerzity

Institut für Germanistik lädt alle Interessierten zu Jubiläumsfeierlichkeiten ein – Ringvorlesung und Erinnerung an Otto Behaghel zum Auftakt.

Nr. 150 • 9. Oktober 2026

Die Geschichte der Gießener Germanistik begann vor 175 Jahren. Am 12. Dezember 1851 wurde mit Karl Weigand der erste Gießener Germanist zum außerordentlichen Professor ernannt. Anlass für das Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zu Rückblick, Standortbestimmung und Ausblick. Das Jubiläum soll im Wintersemester 2026/27 gebührend gefeiert werden – mit Institutsangehörigen, Expertinnen und Experten aus der Germanistik sowie benachbarten Disziplinen, vor allem aber gemeinsam mit interessierten Gästen aus Stadt und Region. Die Ringvorlesung „175 Jahre Gießener Germanistik“ soll eine Brücke schlagen zwischen den ersten Vorlesungen über deutsche Philologie und Literatur an der Universität Gießen im 19. Jahrhundert und dem aktuellen breitgefächerten Studienangebot sowie den vielfältigen interdisziplinären Forschungsaktivitäten in der Germanistik.

Los geht es bereits am Dienstag, 20. Oktober 2026: Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher wird an diesem Vormittag um 10 Uhr ein neues Straßenschild für Otto Behaghel enthüllen, den wohl bedeutendsten Gießener Germanisten, an den dann auch eine Hinweistafel erinnern wird. Emeritus Prof. Dr. Hans Ramge wird kurz in Behaghels Werk einführen und dessen Bedeutung auch für unser heutiges Tun herausstellen. Treffpunkt für diese kleine Zeremonie ist der Fußgängerüberweg zwischen Mensa (OBS) und Philosophikum I.

Der Auftakt zur Ringvorlesung folgt am Abend des 20. Oktober um 18 Uhr im Biologischen Hörsaal im Uni-Hauptgebäude (Ludwigstraße 23). Prof. Dr. Sascha Feuchert, stellvertretender Geschäftsführender Direktor des Instituts für Germanistik und Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur (AHL) der JLU, wird die Gäste begrüßen, ehe Prof. em. Dr. Hans Ramge einen Vortrag zum Thema „Otto Behaghel und die Pflege der deutschen Sprache“ halten wird.

Prof. Dr. Sascha Feuchert, der gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim Jacob die Feierlichkeiten koordiniert, betont: „Gießen ist ohne Germanistik nicht denkbar: In den vergangenen 175 Jahren haben sich die Philologen aktiv in den Alltag der Universitätsstadt eingebracht, wie etwa Otto Behaghel, der in Gießen nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Mäzen und öffentliche Person gewirkt hat.“ Germanistinnen und Germanisten, erinnert Feuchert, waren an der Gründung wichtiger Institutionen beteiligt, wie etwa der Bücher- und Lesehalle 1895 und des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) im Jahr 2009. Sie gestalten noch heute erfolgreich die Gießener Theaterlandschaft mit – etwa mit mittelalterlichen Stücken – und tragen seit Jahrzehnten wesentlich Verantwortung in der Ausbildung von Lehrkräften für das Fach Deutsch. „All diese Leistungen in der Gießener Germanistik sollen nun gefeiert werden“, sagt Feuchert und erinnert zugleich an die dunklen Seiten der Institutsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus: „Der Beitrag der Germanistik zu Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus, der leider auch erheblich war, soll dabei keinesfalls vergessen werden.“

Die Ringvorlesung in diesem Wintersemester soll aber auch einen Rahmen bieten, in dem Germanistinnen und Germanisten, unter ihnen auch eine Gruppe engagierter Studierender, der JLU für ihre einzelnen Fachgebiete aufzeigen, welche wegweisenden Beiträge ihre Gießener Vorgängerinnen und Vorgänger geleistet haben und wo Forschung und Lehre in den jeweiligen Bereichen heute stehen. „Die Vorlesungsreihe findet bewusst nicht nur auf dem Gelände im Philosophikum statt, sondern bespielt vor allem verschiedene städtische Räume, die uns mit großer Gastfreundschaft geöffnet werden“, erläutert Jacob das Konzept: „Es geht uns darum, das städtische Publikum anzusprechen und dabei gleichzeitig zu verdeutlichen, dass sich die Germanistik nicht als Wissenschaft im Elfenbeinturm versteht, sondern als eine Wissenschaft, die aktiv in die (Stadt-)Gesellschaft hineinwirkt und mit dieser interagiert.“

Versiegelung einer Zeitkapsel

Am Ende der Vorlesungsreihe und damit der Jubiläumsfeierlichkeiten steht am 9. Februar 2027 die Versiegelung einer Zeitkapsel. Es ist geplant, diese für 25 Jahre – bis zum 200. Geburtstag – zu verschließen. In der Kapsel werden heute tätige Mitglieder des Instituts für Germanistik sowie ehemalige Studierende der Germanistik ihre Erinnerungen und Erwartungen verschließen, um möglicherweise eines Tages in einen Dialog zu treten mit Fachvertreter*innen und Kommiliton*innen des Jahres 2051. Zum Abschluss ist am Abend der Versiegelung eine öffentliche Gesprächsrunde mit dem Autor, Moderator und Ehrendoktor der Germanistik Dr. h.c. Hans Sarkowicz sowie Gästen zum Thema „Geschichte, Gegenwart und Relevanz der (Gießener) Germanistik“ vorgesehen.

Termine

Ringvorlesung „175 Jahre Gießener Germanistik“
Vorträge jeweils dienstags, Beginn 18 Uhr, unterschiedliche Veranstaltungsorte

20. Oktober 2026
Eröffnung der Ringvorlesung
Prof. Dr. Sascha Feuchert, Begrüßung
Prof. em. Dr. Hans Ramge
Otto Behaghel und die Pflege der deutschen Sprache
Veranstaltungsort: Biologischer Hörsaal, Uni-Hauptgebäude, Ludwigstraße 23, Gießen

27. Oktober 2026
50 Jahre Leseförderung – Ein Diskussionsabend über Erwartungen, Entwicklungen und Perspektiven
Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Juliane Dube (JLU), Catherine Letourneur (Hessische Lehrkräfteakademie), Katja Hofmann (Wollenbergschule, Wetter), Joshua Sindermann (JLU-Student); Moderation: Anouk Philippi (JLU)
Veranstaltungsort: Hessische Lehrkräfteakademie, Lahnstraße 61, Gießen

3. November 2026
Prof. Dr. Annette Simonis
Marie-Luise Wolfskehl — eine transnationale wissenschaftliche Laufbahn
Veranstaltungsort: Zeughaus, Senckenbergstraße 3, Gießen

10. November 2026
Festvortrag mit Empfang
Prof. Dr. Katrin Lehnen, Geschäftsführende Direktorin der Germanistik, Begrüßung
Prof. Dr. Wolfgang Braungart (Uni Bielefeld, ehemals JLU) Was uns unbedingt angeht – Überlegungen zur Bedeutung von Literatur und Literaturwissenschaft heute im Ausgang von Rilke
Veranstaltungsort: Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstraße 34, Gießen

17. November 2026
Prof. Dr. Katrin Lehnen
Über die rasante Verfertigung der Gedanken beim Chatten. Zur Veränderung von Lese- und Schreibpraktiken durch KI
Veranstaltungsort: Biologischer Hörsaal, Uni-Hauptgebäude, Ludwigstraße 23, Gießen

24. November 2026
Prof. Dr. Thomas Gloning
Im Weinberg der Wörter. Vom Wortforscher Karl Weigand zu den Wortauskunftsystemen unserer digitalen Gegenwart
Veranstaltungsort: Zweigbibliothek Natur- und Lebenswissenschaften, Seltersweg 85, Gießen

1. Dezember 2026
Prof. Dr. Joachim Jacob
Wie rühmt man richtig? Literatur und Religion – und die Gießener Germanistik
Veranstaltungsort: Pankratiuskapelle, Georg-Schlosser-Straße 5, Gießen

8. Dezember 2026
Studierende des Instituts für Germanistik:
Das Institut für Germanistik in der Zeit des Nationalsozialismus
Veranstaltungsort: Mensa Mildred-Harnack-Fish-Haus, Leihgesterner Weg 16, Gießen

15. Dezember 2026
Prof. Dr. Cora Dietl
Christian Heinrich Schmids „Chronologie des deutschen Theaters“ (1775) – was sehen wir heute anders?
Veranstaltungsort: Foyer im Stadttheater Gießen, Südanlage 1, Gießen

12. Januar 2027
Prof. Dr. Uwe Wirth
Philologie als Beruf – Fachleute und Dilettanten
Veranstaltungsort: Bibliothek, Gebäude der Veterinärmedizin, Ludwigstraße 21, Gießen

19. Januar 2027
Prof. Dr. Mathilde Hennig / Dr. Daniel Holzhacker
Wie schreibt man einen DUDEN?
Veranstaltungsort: Alte Universitätsbibliothek, Hörsaal, Bismarckstraße 37, Gießen

26. Januar 2027
PD Dr. Norman Ächtler
Joseph Hillebrand und die Kanonisierung der deutschen Literatur
Dr. Daniela Henke
Kanon und Kanonisierung in der gegenwärtigen Diskussion
Veranstaltungsort: Liebigschule, Bismarckstraße 21, 35390 Gießen

2. Februar 2027
Prof. Dr. Jana Gamper / Prof. Dr. Karin Madlener-Charpentier
Vom Bedarf zur Disziplin: Zur Geschichte von DaF und DaZ als Geschichte des Dialogs von Praxis, Forschung und Lehre
Veranstaltungsort: Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstr. 34, Gießen

9. Februar 2027
Verschließung der Zeitkapsel
Geschichte, Gegenwart und Relevanz der (Gießener) Germanistik
Gesprächsrunde mit Dr. h.c. Hans Sarkowicz und Gästen
Veranstaltungsort: Neubau Zentralbibliothek u. Universitätsarchiv, Otto-Behaghel-Straße 8, Gießen

Weitere Informationen

www.uni-giessen.de/germanistik

Kontakt

Prof. Dr. Sascha Feuchert/ Prof. Dr. Joachim Jacob
Institut für Germanistik
Otto-Behaghel-Str. 10 B, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29093 / 0641 99-29070

 

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