Frauenfußball: Warum sich Investitionen jetzt besonders lohnen

9.9.2026 - Elisa Vetter | HHL Leipzig Graduate School of Management

Ein Euro im Frauenfußball bringt im Schnitt 106-mal mehr sportlichen Erfolg als derselbe Euro im Männerfußball. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management, die 100 Teams aus sechs europäischen Top-Ligen untersucht hat. In allen 29 Klubs der jeweils ersten Frauen- und Männerliga in Deutschland, England und Spanien, arbeitet das Frauenteam effizienter. Zugleich zeigt die Analyse: Der Kaderwert ist ein Indikator für sportlichen Erfolg und erklärt bis zu 85 Prozent der Punktunterschiede zwischen den Klubs. Die Botschaft für Investoren: Im Frauenfußball trifft niedriger Kapitaleinsatz auf hohe sportliche Wirkung.

Die Analyse vergleicht den Kaderwert der Teams vor Saisonbeginn mit ihren Punkten am Saisonende und berechnet daraus eine Effizienz-Kennzahl: erzielte Punkte pro Million Euro Kaderwert.

Kaderwert erklärt sportlichen Erfolg
In allen sechs untersuchten Ligen ist der Kaderwert ein Indikator für den sportlichen Erfolg. Er erklärt zwischen 45 und 85 Prozent der Punkteunterschiede zwischen den Klubs – und damit einen Großteil dessen, wie die Tabelle am Saisonende aussieht. In den Frauenligen mit 75 bis 85 Prozent noch deutlicher als bei den Männern.

Am schwächsten ist der Zusammenhang in der Premier League der Herren: Dort erklärt der Kaderwert nur 45 Prozent der Punkteunterschiede. Die Studie schlussfolgert: Wo alle Klubs über hohe Budgets verfügen, ist der Kaderwert allein kein Unterscheidungsmerkmal mehr.

Die Effizienz-Meister: Wer aus seinem Budget das meiste macht
Je Liga arbeiten die folgenden Klubs am effizientesten: In der Frauen-Bundesliga führt der 1. FC Köln, bei den Herren der Hamburger SV. Auffällig: Die Frauen des Hamburger SV erreichen wiederum nur Rang 12 von 14 – laut Studie ein Indikator dafür, dass Frauen- und Männerabteilung unabhängig voneinander wirtschaften. Die weiteren Effizienz-Meister: Brighton & Hove Albion (Women's Super League), Sunderland AFC (Premier League), Granada CF (Liga F) und FC Elche (La Liga).

Frauenkader: Ein investierter Euro bringt ein Vielfaches an sportlichem Ertrag
In allen 29 Klubs, die sowohl ein Frauen- als auch ein Männerteam stellen, erzielt das Frauenteam ausnahmslos pro investiertem Euro mehr Punkte als das Männerteam, im Schnitt um den Faktor 106. Die Spannweite reicht von Faktor 13 bei Levante UD bis 225 bei Tottenham Hotspur.

Auch Real Madrid zeigt dieses Muster: Das Männerteam investiert einen der höchsten Kaderwerte weltweit, das Frauenteam operiert mit deutlich geringerem Budget. Trotzdem erzielt es den 140-fachen sportlichen Ertrag pro Euro. Der Abstand zwischen den Geschlechtern ist dabei so groß, dass selbst das ineffizienteste Frauenteam der Analyse aus einer Million Euro mehr Punkte holt als das effizienteste Männerteam.

Was bedeutet das für Investoren?
Die 15 umsatzstärksten Frauenteams der Welt erwirtschaften zusammen weniger als ein Siebtel dessen, was Real Madrid allein erlöst. Für Investoren sei der Frauenfußball damit ein Markt mit niedrigem Einstiegspreis und messbarer Kapitalverwertung.

„Sportlicher Erfolg im Frauenfußball ist deutlich weniger kapitalintensiv als im Männerfußball", erklärt Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung und Kapitalmarktkommunikation der HHL. „Wer jetzt in Frauenkader investiert, sichert sich einen Wettbewerbsvorteil in einem Markt, der Investitionen noch zuverlässig belohnt. Dieses Fenster verengt sich mit jeder weiteren Kapitalrunde." Die Premier League zeige die Folge dessen: Alle Klubs würden ein Vielfaches aufwenden müssen, ohne sich damit von der Konkurrenz abzusetzen.

Hintergrund der Analyse
Untersucht wurden die jeweils ersten Frauen- und Männerligen in Deutschland, England und Spanien der Saison 2025/26, insgesamt 42 Frauen- und 58 Männerteams. Für jedes Team wurden der Kaderwert vor dem ersten Spieltag sowie die am Saisonende erzielten Punkte erhoben. Die Kaderwerte stammen von Transfermarkt und Soccerdonna. Aus beiden Größen ergibt sich die Effizienz-Kennzahl in Punkten pro Million Euro Kaderwert. 29 Klubs führen Teams in den höchsten Frauen- und Männerligen ihres Landes und erlauben damit den direkten Vergleich innerhalb desselben Vereins. Ergänzend wurden Umsatz- und Strukturdaten der Deloitte Football Money League 2026 herangezogen.


https://www.mynewsdesk.com/de/hhl-gemeinnutzige-gmbh/pressreleases/frauenfussball-warum-sich-investitionen-jetzt-besonders-lohnen-3466004?utm_campaign=Subscription&utm_content=current_news&utm_medium=rss&utm_source=rss