15 Jahre Euregio-Jubiläum in Alpbach

27.8.2026 - | Land Tirol

Runder Tisch zu „15 Jahre Euregio Tirol-Südtirol-Trentino“ mit Gründungsvätern der Euregio.

Kräfte bündeln, als kleines Europa im Großen die gemeinsame Identität neu beleben und dank der Zusammenarbeit einen Mehrwert für die Bevölkerung schaffen: Diese Ziele hatten LH a.D. Günther Platter, LH a.D. Luis Durnwalder und LH a.D. Lorenzo Dellai vor Augen, als sie am 14. Juni 2011 auf Castel Thun im Trentino die Gründungsverträge der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino unterzeichneten. 15 Jahre später blickten die damaligen Landeshauptleute zum Auftakt der Euregio-Days 2026 beim European Forum Alpbach auf die bisherige Euregio-Geschichte zurück.

„15 Jahre Euregio bedeuten 15 Jahre enge, institutionalisierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino ist ein Vorzeigebeispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit, welche die europäische Integration Tag für Tag vorlebt. Dank der Euregio werden konkrete Projekte umgesetzt, die einen klaren Mehrwert für die Bevölkerung bringen – sei es in der Mobilität, in der Kultur, im Sport oder für Familien. Einen wesentlichen Beitrag dazu haben die drei damaligen Landeshauptleute Günther Platter, Luis Durnwalder und Lorenzo Dellai geleistet. Ihr Engagement hat die Euregio, die wir heute kennen, geformt“, betont der derzeitige Euregio-Präsident LH Anton Mattle.

Beim Runden Tisch der Euregio-Akademie heute, Donnerstag, fiel das Fazit der Gründungsväter weitgehend positiv aus: Die Euregio sei sichtbarer geworden. Sie habe konkrete Angebote geschaffen, politische Erfolge in Rom, Wien und Brüssel erzielt und sei mit ihrer Reform nach rund zehn Jahren demokratischer geworden.

„Die Euregio hat vor und nach der Gründung bewegte Momente erlebt. Aber besonders in Krisenzeiten haben wir das Gespräch gesucht, Solidarität gelebt und Stärke bewiesen. So haben wir uns bei der Flüchtlingswelle 2016 oder in der Coronazeit gegenseitig geholfen und gegen nationale Bestrebungen öfters die Schließung der Brennergrenze verhindert“, betont LH a.D. Platter. Südtirol LH a.D. Durnwalder betonte: „Man kann immer besser werden. Die Euregio ist heute nicht perfekt. Aber sie ist auf einem sehr guten Weg.“
Gespräch gesucht, Solidarität gelebt

Auf ein „grundlegendes Zusammengehörigkeitsgefühl“ verwies der ehemalige Trentiner Landeshauptmann Dellai: „Unsere Identität beruht nicht nur auf der gemeinsamen Geschichte: Wir wollten immer nach vorne blicken und die europäische Integration nutzen, um unsere Herausforderungen im Herzen der Alpen gemeinsam zu bewältigen. Es ist Zeit für den Versuch, über den EVTZ hinaus eine echte europäische Region zu schaffen.“

Bereits die Gründung sei kein Selbstläufer gewesen, gab LH a.D. Durnwalder zu bedenken: „Die Spannungen zwischen Italien und Österreich wegen der Südtirolfrage haben den Ausbau grenzüberschreitender Zusammenarbeit gebremst. Dennoch haben wir Möglichkeiten gefunden, freiwillig zusammenzuarbeiten. Wo ein politischer Wille, da auch ein Weg!“

Unter österreichischer EU-Ratspräsidentschaft kam schließlich ein Durchbruch: 2006 hat die EU die Institution „Europäischer Verbund Territorialer Zusammenarbeit“ (EVTZ) eingeführt. Als eigene Rechtspersönlichkeit kann ein solcher EVTZ über Grenzen hinweg verbindlich tätig werden. „Im Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009 haben wir diese Chance ergriffen und der Dreierlandtag hat die Gründung beschlossen“, berichtete LH a.D. Platter.

Rund 100 Projekte und Initiativen pro Jahr

Das Ergebnis könne sich sehen lassen, sagte Dellai: „Mit Freude sehe ich, wie weit sich der inhaltliche Bogen der Euregio-Projekte heute spannt.“ Allein im ersten Jahrzehnt hat die Euregio mehr als 350 Projekte und Initiativen auf den Weg gebracht. Inzwischen organisiert, koordiniert, delegiert oder unterstützt sie rund 100 Projekte pro Jahr.

„Von Canossa nach Europa“ – neuer Kultur-EVTZ

Zudem befasste sich die Euregio-Akademie in einem Workshop mit dem Rechtsinstrument des EVTZ: Alice Engl, Bereichskoordinatorin am Institut für Minderheitenrecht von Eurac Research gab einen Überblick über die 86 aktiven EVTZs in Europa. Über die Zukunftsstrategie des EVTZ Euregio Connect der drei Landestourismusorganisationen aus Tirol, Südtirol und dem Trentino sprach dessen Präsident Paolo Pozzi. Welche Ziele der in Gründung begriffene Kultur-EVTZ „Von Canossa nach Europa" verfolgt und wie er das historische Erbe des mittelalterlichen „Ganges nach Canossa“ aufgreifen will, erklärte schließlich Rechtsanwalt Centurio Frignani, der den Gründungsprozess begleitet.

Online Euregio-Geschichtsbuch gibt Einblicke

Einblicke in die Geschichte des Euregio-Raums sowie die Gründung und Entwicklung der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino gibt das Euregio-Geschichtsbuch. Auf der Euregio-Website steht es als E-Book kostenlos zur Verfügung.


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