Forschungsprojekt zu Wildbienen im Naturpark Kaunergrat

25.8.2026 - | Land Tirol

Summende Sonnenhänge: Erhebung der Wildbienen im Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet Fließer Sonnenhänge.

Der Naturpark Kaunergrat führt heuer erstmals eine Erhebung der Wildbienen an den Fließer Sonnenhängen (Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet) durch. Bereits zur Halbzeit der Erhebung wurden 50 Arten nachgewiesen, darunter einige seltene Spezialisten wie die Rote Schneckenhausbiene. Möglich macht das Projekt eine Förderung des IUCN-Programms „Youth Action on Pollinators" sowie die Unterstützung der Forschung des Naturparks durch das Land Tirol. Interessierte können sich bei einer Ausstellung im Naturparkhaus und bei einem Pub Quiz in Innsbruck selbst ein Bild von der Vielfalt der Tiroler Wildbienen machen. „In Zeiten schwindender Biodiversität und eines spürbaren Rückgangs an Insekten wird eines immer deutlicher: Was wir genau kennen, können wir auch gezielt schützen und unterstützen. Wissenslücken zu schließen ist daher ein zentraler Schritt im Naturschutz. Genau hier setzt das neue Wildbienenprojekt an den besonderen Fließer Sonnenhängen im Naturpark Kaunergrat an“, freut sich Naturschutzlandesrat René Zumtobel.
In Österreich gibt es rund 700 Wildbienenarten, von denen etwa 400 in Tirol vorkommen. Wildbienen sind für die Bestäubung eines großen Teils unserer Nahrungsmittel unabdingbar. Viele Bienenarten sind hochspezialisiert und ihr Überleben ist vom Gleichgewicht in der Natur abhängig.

Die Fließer Sonnenhänge: Ein Hotspot für Biodiversität

Der Naturpark Kaunergrat ist bereits als Hotspot für Schmetterlinge bekannt und bietet auch zahlreichen Wildbienenarten einen idealen Lebensraum. Das trocken warme Klima der Fließer Sonnenhänge mit seinen artenreichen Trockenrasen macht sie zu einem besonderen Rückzugsraum für hochspezialisierte Wildbienenarten. „Im Natura 2000 Gebiet kann dank des Projektes heuer erstmals ein systematisches Monitoring der Wildbienen umgesetzt werden“, freut sich Schutzgebietsbetreuerin Elisabeth Falkeis. Nach der Hälfte der Monitoringzeit im aktuellen Projekt wurden bereits 50 verschiedene Wildbienenarten im Gebiet nachgewiesen, darunter viele seltene und hochgradig an den Standort angepasste Arten wie die Rote Schneckenhausbiene, die Schwarze Mörtelbiene oder die Rote Fingerkraut-Sandbiene. Die Rote Schneckenhausbiene stellt besondere Ansprüche an ihren Lebensraum: Sie kommt ausschließlich an Trockenstandorten wie den Fließer Sonnenhängen vor und bevorzugt als Pollenquelle kleinblütige Lippenblütler wie den Aufrechten Ziest oder Schmetterlingsblütler. Ihre Nistweise ist ebenso besonders: Die 7 Millimeter große Biene nistet in leeren Schneckenhäusern, die sie mit einer Art Pflanzenmörtel und kleinen Steinchen verschließt. Idealerweise liegen diese Gehäuse witterungsgeschützt unter Felsvorsprüngen. „Damit die Rote Schneckenhausbiene vorkommen kann, braucht es also gleich mehrere Faktoren im Zusammenspiel: die präferierten Pollenquellen und ausreichend Schneckenhäuser an trockenen Standorten. Dies findet sie nur in einer reich strukturierten Landschaft“, erklärt Projektleiterin Emilie Matthes. Wie stark viele Wildbienenarten unter Druck stehen, zeigen Daten aus Deutschland, wo rund die Hälfte aller Wildbienenarten als gefährdet oder stark rückläufig gelten (eine Rote Liste der Wildbienen Österreichs ist derzeit in Ausarbeitung). „Die Bedeutung von bestäubenden Insekten ist uns oftmals zu wenig bewusst. Dabei hängt so vieles in unserer Natur von ihnen ab. Es ist daher von besonderer Bedeutung, die Lebensräume der Bestäuber intakt zu halten, um den gesamten Kreislauf vom Insekt zur Pflanze bis zum Obst und Gemüse auf unseren Tellern und darüber hinaus aufrechtzuerhalten“, so LR Zumtobel.

Ausstellung im Naturpark Kaunergrat und Pub Quiz in Innsbruck:

Über den Naturpark Kaunergrat

Die Naturparkregion Kaunergrat reicht im Norden bis an die Tore der Bezirkshauptstädte Landeck und Imst. In südlicher Richtung erstreckt sie sich bis zum Alpenhauptkamm und umfasst dabei das Pitztal, das Kaunertal und Teile des Inntales. Auf einer Fläche von knapp 59.000 Hektar schließt sie alle Höhenstufen der Alpen mit ein, von den Innauen hinauf bis zu den markanten Dreitausendern der Ötztaler Alpen und der alles überragenden Wildspitze auf 3.768 Metern. Der „Kaunergrat", als Namensgeber des Naturparks, ragt zwischen den beiden tief eingeschnittenen Tälern Pitztal und Kaunertal empor. Hier finden sich bedeutsame Schutzgebiete wie die artenreichen Trockenrasen und Sonnenhänge im Inntal, die Arzler Pitzeklamm, das Riegetal, das Piller Moor der Kaunergrat und das Ruhegebiet Ötztaler Alpen mit seiner einzigartigen Gletscherwelt.



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