Ein außergewöhnlicher Ausbildungserfolg an der Universität Stuttgart: Schreiner-Azubi Julian Frank wird Jahrgangsbester und erhält eine Auszeichnung für sein Gesellenstück. Dahinter stehen technisches Können, Kreativität und eine Ausbildung mit viel Vertrauen und Freiraum.
Gleich zwei Auszeichnungen konnte Schreiner-Azubi Julian Frank zum Abschluss seiner Ausbildung an der Universität Stuttgart entgegennehmen: Mit der Note 1,3 wurde er Jahrgangsbester. Sein Gesellenstück wurde beim Gestaltungswettbewerb „Die Gute Form“ mit einer Belobigung ausgezeichnet. Für Ausbilderin Alexandra Koberstein zeigt sein Erfolg, was möglich ist, wenn Auszubildende gefordert, gefördert und mit Verantwortung betraut werden.
Dabei war der Weg von Julian Frank ins Handwerk alles andere als klassisch. Zehn Jahre arbeitete er als Technischer Produktdesigner in der Automobilbranche. Mit der Zeit entstand der Wunsch, seine Ideen nicht nur am Computer zu entwickeln. „Ich wollte mein technisches Verständnis und meine Kreativität verbinden und die Dinge, die ich konstruiere, auch selbst anfertigen“, erzählt Frank. Für die Universität Stuttgart entschied er sich gezielt: „Hier kann ich mein Wissen aus einer hochtechnisierten Branche anwenden und habe gleichzeitig den Freiraum, das zu machen, was ich möchte.“
Diese Verbindung aus technischer Kompetenz und künstlerischer Kreativität spiegelt sich eindrucksvoll in seinem Gesellenstück wider: Julian Frank entwickelte ein HiFi-Möbel aus Esche-Massivholz mit einer dreidimensional gefrästen Rollladenfront. Ein Muster in Regenbogenfarben zieht sich über die Front und setzt ein klares Zeichen für Vielfalt. Die Umsetzung war technisch anspruchsvoll: Das Muster musste präzise gefräst, dreidimensional auf den Rollladen übertragen und über die gesamte Fläche symmetrisch gestaltet werden. Gleichzeitig durfte sich das Holz nicht verziehen und der Rollladen seine Funktion nicht verlieren. Viele offene Fragen konnte Julian Frank in Gesprächen mit verschiedenen Fachbereichen der Universität klären.
„Mit seinem Gesellenstück hat Julian sogar die Prüfungskommission ins Schwitzen gebracht“, sagt Alexandra Koberstein. Zeitweise stand die Frage im Raum, ob das Stück überhaupt baubar sei. „Wir haben allen Zweifeln getrotzt und Julian zugetraut, Außergewöhnliches zu leisten. Gemeinsam haben wir Grenzen ausgelotet, wie es an einer Universität sein sollte.“
Auch die Auszeichnung als Jahrgangsbester hat für sie besondere Bedeutung. Frank absolvierte den schulischen Teil seiner Ausbildung an der Gewerblichen Schule für Holztechnik Stuttgart. „Wir achten sehr penibel darauf, die Praxisseite der Lerninhalte gewissenhaft zu vermitteln und die Theorie der Berufsschule mit Leben zu füllen“, sagt Koberstein. Die Schreinerei fordere viel, begleite ihre Auszubildenden aber intensiv. Der Erfolg bestätige dieses Ausbildungskonzept.
Die Universität Stuttgart bietet Auszubildenden mehr als einen klassischen Ausbildungsplatz. In der Schreinerei arbeiten sie an anspruchsvollen Projekten für Forschung und Lehre, erhalten Einblicke in Labore und experimentelle Aufbauten und übernehmen früh Verantwortung. Auch bei der CNC-Technik geht die Ausbildung über die üblichen Inhalte hinaus: Die Azubis programmieren und bedienen eigenständig die beiden CNC-Maschinen, darunter ein modernes 5-Achs-Bearbeitungszentrum. „Wer Verantwortung übernimmt und Vertrauen erhält, entwickelt sich fachlich und persönlich weiter“, sagt Alexandra Koberstein. „Deshalb trauen wir unseren Auszubildenden bewusst viel zu.“
Die Schreinerei setzt nicht ausschließlich auf klassische Schulabgänger*innen, sondern auf Menschen, die sich mit Überzeugung für das Handwerk entscheiden. „Leidenschaft und Begeisterung sind für mich ein größerer Garant für Erfolg als eine hohe Qualifikation allein“, sagt Koberstein. Ebenso selbstverständlich gehören Vielfalt und Offenheit zur Ausbildungskultur. Alter, Herkunft oder bisheriger Berufsweg spielen keine Rolle – entscheidend sind Teamgeist, gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, gemeinsam Spitzenleistungen zu erreichen.
„Was unsere Ausbildung ausmacht, ist die Arbeit in einem universitären Umfeld mit täglichem Kontakt zu Wissenschaftler*innen und vielen Unterstützungsangeboten“, sagt Christina Michalak, Ausbildungsleiterin der Universität Stuttgart. „Hier bestimmen nicht nur wirtschaftliche Aspekte den Ausbildungsalltag, sondern es gibt Raum, um an Lösungen für die großen Zukunftsfragen mitzuarbeiten. Dieses inspirierende Umfeld, kombiniert mit einer offenen und wertschätzenden Kultur, macht die Ausbildung an der Universität Stuttgart zu etwas Besonderem.“
Für Julian Frank sind die beiden Auszeichnungen vor allem eine Bestätigung: „Ohne die Universität und die Menschen in der Schreinerei wäre das nicht möglich gewesen. Man muss eine Chance bekommen, damit man sein Potenzial zeigen kann.“
Ausbildung an der Universität Stuttgart