Lindauer Nobelpreisträgertagung trifft Stuttgarter Forschung

9.7.2026 - Lena Jauernig | Universität Stuttgart

Rund 70 Nobelpreisträger*innen trafen bei der 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung auf 600 Nachwuchsforschende aus aller Welt – darunter auch drei Talente der Universität Stuttgart. Unter dem Leitthema „Interdisziplinäre Forschung“ eröffnete die Tagung neue Perspektiven. Im Anschluss informierten sich 18 internationale Nachwuchsforschende über vernetzte Forschung an der Universität Stuttgart.

Jedes Jahr kommen in Lindau am Bodensee Nobelpreisträger*innen mit herausragenden Nachwuchswissenschaftler*innen aus zahlreichen Ländern zusammen. Der einzigartige Austausch zwischen den Generationen, die internationale Atmosphäre und die wissenschaftliche Exzellenz machen die Lindauer Nobelpreisträgertagung zu einer weltweit renommierten Wissenschaftsveranstaltung. Die Jubiläumsausgabe, die 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung fand vom 28. Juni bis 3. Juli statt und nahm das Thema „Interdisziplinäre Forschung“ in den Fokus.

Nachwuchstalente aus Stuttgart treffen Nobelpreisträger*innen

Für Nachwuchsforschende ist die Teilnahme eine besondere Ehre. Sie werden in einem anspruchsvollen Auswahlverfahren von Universitäten und wissenschaftlichen Organisationen nominiert. Aus den Bewerbungen werden nur die vielversprechendsten Talente aus aller Welt ausgewählt und zur Tagung eingeladen.

Mit dabei waren diesmal auch drei Doktorand*innen der Universität Stuttgart: Luisa Coen forscht am 2. Physikalischen Institut zu Biophotonik und Biobildgebung. Dominik Ludescher entwickelt am 4. Physikalischen Institut ein neues Verfahren zur Analyse von Nanoplastikpartikeln in Umweltproben. Mayank Kedia forscht am Institut für Photovoltaik an neuen Materialien für die nachhaltige Energiegewinnung aus Solarzellen. Ihre Teilnahme wurde gefördert von der Carl-Zeiss-Stiftung.

„Intensiv und zugleich perspektivreich: So lässt sich meine Woche in Lindau zusammenfassen“, berichtet Mayank Kedia. Die Nobelpreisträger*innen erlebte er als sehr nahbar. „Wir durften die Personen hinter der Auszeichnung kennenlernen – inklusive der Herausforderungen, die sie auf ihrem Weg zum Nobelpreis meistern mussten.“ Besonders beeindruckt hat Kedia die Eröffnungsrede von Katalin Karikó. Die Biochemikerin erhielt den Nobelpreis für ihre Forschung zur mRNA-Technologie, die entscheidend zur Entwicklung der COVID-19-Impfstoffe beigetragen hat. Auch das Treffen mit Angela Merkel, an dem Kedia als einer von 50 ausgewählten Talenten teilnehmen durfte, wird bei ihm noch lange nachwirken. Genau wie der Austausch mit anderen Nachwuchsforschenden. Da in diesem Jahr „Interdisziplinarität“ das Motto war, kamen die Teilnehmenden aus zahlreichen Fachgebieten. „Ich habe mit Krebsforschern über Perowskit-Solarzellen gesprochen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Forschung klar zu vermitteln und für alle greifbar zu machen“, so Kedia.

Junge Wissenschaft aus aller Welt zu Gast in Stuttgart

Im Anschluss an die 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung nahmen 18 internationale Nachwuchsforschende an einer einwöchigen Rundreise teil. Organisiert wurde diese von Baden-Württemberg International. Auf dem Programm standen Besuche an den wichtigsten Forschungseinrichtungen des Bundeslandes. Am 6. Juli war die Gruppe an der Universität Stuttgart zu Gast.

„Willkommen in einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen Europas“, begrüßte Prof. Manfred Bischoff, Prorektor für Forschung und nachhaltige Entwicklung, die Gruppe am 6. Juli. Bei der Vorstellung der sieben strategischen Profilbereiche der Universität Stuttgart betonte er insbesondere die enge Vernetzung der Forschung: „Wenn Sie an unserer Universität forschen, sind Sie Teil eines einzigartigen Forschungsökosystems. Wir leben Interdisziplinarität.“

Was das in der Praxis bedeutet, erfuhren die Gäste im Anschluss: Prof. Rainer Niewa, Studiendekan Chemie, präsentierte die außergewöhnliche Vielfalt der Fakultät und zeigte auf, wie interdisziplinäre Forschungsverbünde ihre Arbeit prägen – etwa der SFB 1333 „Molekulare heterogene Katalyse in definierten, dirigierenden Geometrien“ oder das Center for Bionic Intelligence Tübingen Stuttgart (BITS).

Dass auch in der Physik stark vernetzt geforscht wird, berichtete Prof. Cornelia Monzel vom 2. Physikalischen Institut. Zum Ökosystem gehören hier unter anderem das Center for Integrated Quantum Science and Technology (IQST), das Carl-Zeiss-Stiftung Center für Quantenphotonik (QPhoton) oder das Stuttgart Research Center of Photonic Engineering (SCoPE).

Prof. Steffen Staab, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz und Prof. Mathias Niepert, Abteilungsleiter Machine Learning for Simulation Science, gaben spannende Einblicke in ihre interdisziplinäre Forschung. Ziel des Instituts ist es, grundlegende Fragen zur KI zu erforschen, den gesellschaftlichen Nutzen zu reflektieren und den Transfer von KI-Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben.

Jungen Talenten bietet die Universität Stuttgart neben Spitzenforschung auch eine engagierte Betreuung und spannende Karrierewege - das stellte Nina Gillé von der Graduierten-Akademie (GRADUS) heraus. GRADUS ist die zentrale Einrichtung der Universität Stuttgart zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und unterstützt mit vielfältigen Qualifizierungs-, Informations- und Beratungs-, sowie Mentoring-Angeboten.

In der Kaffeepause nutzten die Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit Stuttgarter Nachwuchsforschenden, es wurde viel gefragt und lebhaft diskutiert. Den Abschluss des Besuchs bildete eine Führung durch das ZAQuant. Die zukunftsweisende interdisziplinäre Forschungseinrichtung bringt Expert*innen aus Physik, Ingenieurwissenschaften und weiteren Disziplinen zusammen, um Quantentechnologien für Anwendungen wie Sensorik, Kommunikation und Informationsverarbeitung zu entwickeln.

Wissenschaftlicher Nachwuchs


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