ASBH-Stiftung spendet 193.326 Euro an Forschungsverbund.
fördert mit einer Spende von 193.326 Euro einen Forschungsverbund an den Universitätsstandorten Erlangen und Gießen-Marburg. 106.080 Euro der aus einer Erbschaft stammenden Mittel fließen dabei an die Kinder- und Jugendklinik des Uniklinikums Erlangen sowie den Lehrstuhl für Mikroskopische Anatomie und Molekulare Bildgebung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Hier forschen interdisziplinäre Teams um Prof. Dr. Heiko Reutter, Leiter der Fachabteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Prof. Dr. Regina Trollmann, Sprecherin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ), und Prof. Dr. Dieter Chichung Lie, Inhaber des Lehrstuhls für Mikroskopische Anatomie und Molekulare Bildgebung, gemeinsam zur Spina bifida.
Spina bifida, umgangssprachlich als offener Rücken bezeichnet, zählt zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des zentralen Nervensystems. Die Erkrankung entsteht in einer sehr frühen Phase der Schwangerschaft, wenn sich das Neuralrohr, aus dem sich später Gehirn und Rückenmark entwickeln, nicht vollständig verschließt. Dank medizinischer Fortschritte haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. So gibt es inzwischen vorgeburtliche Operationsmethoden, bei denen der Defekt am Rücken des ungeborenen Kindes bereits im Mutterleib behandelt wird. Dennoch begleiten die Folgen der Erkrankung viele Betroffene ein Leben lang.
Die Arbeitsgruppen in Erlangen und Gießen-Marburg verfolgen nun das Ziel, die biologischen Grundlagen der Spina bifida besser zu verstehen und daraus neue Ansätze für die Diagnostik, die Therapie und die langfristige Betreuung abzuleiten. Dabei befassen sie sich mit der komplexen Bildung des Nervensystems, ebenso wie mit den Faktoren, die die Ausprägung und den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. „Die moderne Spina-bifida-Forschung richtet ihren Blick längst nicht mehr ausschließlich auf die Fehlbildung selbst“, erklärt Prof. Reutter. „Sie betrachtet vielmehr den gesamten Lebensweg der Betroffenen – von der vorgeburtlichen Phase über die ersten Lebensjahre bis hinein ins Erwachsenenalter. Dabei rücken wir Fragen der neurologischen Entwicklung, der späteren Mobilität, der Organfunktionen und der gesellschaftlichen Teilhabe gleichermaßen in den Fokus.“ Die Forschenden arbeiten daher interdisziplinär zusammen, um die vielfältigen Auswirkungen der Spina bifida in ihrer Gesamtheit zu erfassen.
In Erlangen verbindet sich die Forschung mit einer umfassenden klinischen Betreuung. Der Lehrstuhl für Mikroskopische Anatomie und Molekulare Bildgebung bringt seine Expertise auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie des Nervensystems in die gemeinsame Forschung ein. „Im Fokus stehen jene Prozesse, die während der frühen Embryonalentwicklung die Ausbildung von Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule steuern. Ein vertieftes Verständnis dieser Mechanismen soll dazu beitragen, die konkreten Ursachen der Spina bifida zu entschlüsseln“, erläutert Prof. Lie. Die Neonatologie begleitet Kinder mit Spina bifida unmittelbar nach der Geburt und schafft die Grundlage für eine möglichst stabile Entwicklung in der ersten Lebensphase. Daran schließt sich eine langfristige Betreuung im Sozialpädiatrischen Zentrum an. „Bei uns im SPZ arbeiten Fachleute unterschiedlicher Disziplinen zusammen, um betroffene Kinder bestmöglich zu begleiten und die Familien zu unterstützen“, sagt Prof. Trollmann. „Diese enge Verzahnung von Forschung, Behandlung und Nachsorge eröffnet besondere Möglichkeiten. Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Arbeit können unmittelbar in die Versorgung einfließen. Gleichzeitig liefern die Erfahrungen aus dem klinischen Alltag wichtige Impulse für neue Forschungsfragen. So entsteht ein kontinuierlicher Austausch zwischen Labor, Klinik und den betroffenen Familien.“
Die ASBH wurde 1966 als Elterninitiative gegründet. Getragen wird die Arbeit des Vereins heute von ca. 30 regionalen Selbsthilfegruppen und Landesverbänden. Eltern, Angehörige und Menschen mit Spina bifida oder Hydrocephalus engagieren sich ehrenamtlich, um Austausch, Beratung und vielfältige Aktivitäten für Betroffene anzubieten. Die 1998 etablierte ASBH-Stiftung fördert Forschungsprojekte zur Spina bifida und leistet damit einen wichtigen Beitrag für eine bessere Versorgung und Lebensqualität betroffener Menschen.
Prof. Dr. Heiko Reutter
09131 85-41360
heiko.reutter(at)uk-erlangen.de
Prof. Dr. Regina Trollmann
09131 85-33753
regina.trollmann(at)uk-erlangen.de
Prof. Dr. Dieter Chichung Lie
09131 85-22264
chi.lie(at)fau.de