Außenminister Wadephul vor seiner Abreise nach Washington D.C., Paraguay, Argentinien und Brasilien

29.6.2026 - Pressemitteilung | Auswärtiges Amt

Vor seiner Abreise nach Washington D.C., zum MERCOSUR-Gipfel in Paraguay, nach Argentinien und Brasilien erklärte Außenminister Wadephul heute (29. Juni 2026):

In einer Welt der globalen Umbrüche und Multi-Krisen wahren wir unsere Kerninteressen nur in starken Partnerschaften. Freiheit, Sicherheit und Wohlstand: Diese Ziele leiten mich als Außenminister. Dabei wissen wir uns als Deutsche und Europäer eng verbunden mit unseren natürlichen Partnern auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Deshalb reise ich erneut nach Nord- und Südamerika.

Die USA sind und bleiben unser wichtigster Partner außerhalb Europas. Wir sind Alliierte bei der Verteidigung unserer Freiheit. Unsere euro-atlantische Sicherheit hängt entschieden davon ab, dass wir auch in Zukunft so entschlossen wie bisher in der NATO zusammenstehen. Aus gutem Grund wagt Putins Russland nicht, ein NATO-Mitglied anzugreifen: Unsere kollektive Abschreckung wirkt. Mit meinem Amtskollegen Marco Rubio werde ich beraten, wie wir beim NATO-Gipfel kommende Woche in Ankara eine neue Lastenteilung im Bündnis und eine stabile, langfristige Unterstützung der Ukraine erreichen können. Eine Unterstützung, die Moskau zur Erkenntnis gelangen lässt, dass es endlich Zeit ist, das Töten in der Ukraine zu beenden und an den Verhandlungstisch zu kommen. Die Ukraine ist längst zu Frieden bereit – und wir Europäer dazu, sie nach Kräften zu begleiten. Mit Blick auf die destabilisierende Rolle des Iran im Nahen und Mittleren Osten und darüber hinaus eint uns das Ziel, dass aus der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und Iran eine dauerhafte und tragfähige Lösung entstehen kann.

Gerade Irans riskante Strategie um die Straße von Hormus verdeutlicht: Sicherheitspolitik und Wirtschaftspolitik sind nicht voneinander zu trennen. Für eine große Volkswirtschaft wie Deutschland hängen Sicherheit und globales Gewicht auch maßgeblich von unserer Wirtschaftskraft ab. Je mehr Handelskonflikte und Krisen weltweite Lieferketten empfindlich treffen, umso mehr müssen wir uns wirtschaftlich breiter und widerstandsfähiger aufstellen.

Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen ist ein Meilenstein für den Handel und bietet für Deutschland und Europa ein riesiges Wachstumspotenzial. 31 gefestigte Demokratien mit über 700 Millionen Einwohnern, die 20% des weltweiten BIP ausmachen, stehen für Freihandel statt Zölle, für Wettbewerb statt Protektionismus. Beim Mercosur-Gipfel in Paraguay und bei meinen Gesprächen in Argentinien und Brasilien möchte ich ausloten, wie aus der größten Freihandelszone der Welt konkret Wachstum und Wohlstand für beide Seiten entstehen können. Die Weichen dafür sind gestellt. Für deutsche Unternehmen gilt es, die Chancen in den Mercosur-Staaten nun zu ergreifen. Deshalb begleiten mich auch Unternehmensvertreter aus den Bereichen Energie, Sicherheit und Verteidigung und Rohstoffe. Gerade bei Seltenen Erden und kritischen Mineralien haben wir die Chance, unsere Lieferketten mit Südamerika zu diversifizieren und gleichzeitig für nachhaltige Wertschöpfung zu sorgen. Dies wird auch im Zentrum meiner Gespräche in Argentinien und Brasilien stehen.

Brasilien und Deutschland sind strategische Partner. Erst vor wenigen Monaten war Brasilien Gastland der Hannover Messe, in deren Rahmen Regierungskonsultationen stattgefunden haben. Die brasilianische Wirtschaft bietet eine immense Innovationskraft, auch im Bereich nachhaltiger Transformation. Wir wollen zudem gemeinsam daran arbeiten, dass noch mehr der hervorragend ausgebildeten und bei uns dringend benötigten Fachkräfte ihren Weg auf unseren Arbeitsmarkt finden.

Mit Paraguay, Argentinien und Brasilien teilen wir nicht nur wirtschaftliche Interessen. Uns einen freiheitlich-demokratischen Gesellschaften und das klare Bekenntnis zu einer stabilen internationalen Ordnung, die auf Regeln beruht. Unsere Verbundenheit reicht bis tief in die Gesellschaften selbst: In Teilen Argentiniens hat fast ein Drittel der Bevölkerung deutsche Wurzeln. In Brasilien ist Deutsch die am zweitmeisten gesprochene Sprache. Gerade während der WM auf dem amerikanischen Kontinent ist die gemeinsame Fußballleidenschaft zu spüren. Deshalb freue ich mich besonders auf einige Ballwechsel mit jungen Sportlerinnen und Sportlern, gemeinsam mit dem deutsch-brasilianischen Fußballer Cacau, der mich als Sportbotschafter begleitet. Gemeinsam wollen wir den menschlichen und kulturellen Kitt, der unsere Länder jetzt schon verbindet, in die Zukunft tragen.



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