Gutachten unter Bonner Federführung erschienen.
Globale Umweltveränderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung sind nicht nur ökologische Herausforderungen. Sie berühren auch Fragen von Sicherheit, gesellschaftlicher Stabilität und internationalem Frieden. Zu diesem Ergebnis kommt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem neuen Teilgutachten „Umwelt prägt Sicherheit“, das jetz als erstes Kapitel des Hauptgutachtens „Sicherheit – nachhaltig und integriert“ veröffentlicht worden ist. Federführend am Verfassen beteiligt war Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge, Professorin an der Universität Bonn und Direktorin des German Institute of Development and Sustainability (IDOS).
Das Teilgutachten befasst sich mit der Frage, wie Umwelt, Klima und Biodiversität in neue Sicherheitsstrategien einbezogen werden müssen. Der WBGU empfiehlt, umweltbedingte Bedrohungen dauerhaft in sicherheitspolitische Risikoanalysen zu integrieren und sie neben klassischen militärischen und wirtschaftlichen Sicherheitsbedingungen mitzudenken.
„In Environmental Peacebuilding zu investieren, bedeutet, in eine Zukunft zu investieren, in der stabilisierte Ökosysteme und gesellschaftlicher Frieden gemeinsam möglich werden“, sagt Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge. Sie ist an der Universität Bonn Mitglied des Exzellenzclusters „Bonn Center for Dependency and Slavery Studies“ und des Transdisziplinären Forschungsbereichs „Individuals and Societies“.
Drei Handlungsfelder für integrierte Sicherheit
Der WBGU hebt in seinem Teilgutachten drei Handlungsfelder besonders hervor. Erstens müsse die Stabilisierung des Klimas als Sicherheitsfaktor verstanden werden. Dazu gehöre insbesondere, die Verbrennung fossiler Energieträger so schnell und vollständig wie möglich zu beenden und Energiesysteme weltweit auf erneuerbare Quellen umzustellen.
Zweitens betont der Beirat die Bedeutung natürlicher Infrastruktur für den Bevölkerungsschutz. Gemeint sind Ökosysteme, die etwa Hitze dämpfen, Luft reinigen oder Klimaveränderungen entgegenwirken. Ihr Schutz sei daher nicht nur eine Frage von Natur- und Umweltschutz, sondern auch ein Beitrag zu Resilienz und Daseinsvorsorge.
Drittens verweist das Gutachten auf internationale Umweltkooperation als friedensfördernde Maßnahme. Der gemeinsame Schutz von Ökosystemen und das kooperative Management natürlicher Ressourcen könnten Vertrauen zwischen Staaten und gesellschaftlichen Gruppen stärken. Entsprechende Ansätze sollten deshalb in Entwicklungszusammenarbeit und Peacebuilding systematisch ausgebaut werden.
Wissenschaftliche Beratung als Beitrag zu gesellschaftlicher Wirkung
Die Beteiligung von Prof. Hornidge an dem Gutachten ist ein Beispiel dafür, wie Wissenschaftler*innen der Universität Bonn mit ihrer Expertise zu politischen und gesellschaftlichen Debatten beitragen. Politikberatung ist ein wichtiger Teil der Wissenschaftskommunikation im Sinne des Zukunftskonzepts der Universität Bonn: Exzellente Forschung soll nicht nur Erkenntnisse hervorbringen, sondern auch Orientierung für verantwortliches Handeln in Politik, Gesellschaft und internationaler Zusammenarbeit geben.
Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen wurde 1992 als unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium eingerichtet. Er analysiert globale Umwelt- und Entwicklungsprobleme und erarbeitet Handlungs- und Forschungsempfehlungen zu ihrer Lösung.
Weitere Informationen:
Das vollständige WBGU-Teilgutachten „Umwelt prägt Sicherheit“
WBGU-Lagebeurteilung: Sicherheit – nachhaltig und integriert, 2026
Kurzpapier: Sicherheit: Worüber wir jetzt reden müssen; 2025