Neonatologie des Uniklinikums Erlangen eröffnet Frauenmilchbank für Frühgeborene.
Muttermilch ist für Säuglinge die beste Ernährung. Doch nicht alle Mütter können ihr Kind unmittelbar nach der Geburt ausreichend mit eigener Milch versorgen: Besonders nach einer Frühgeburt sind die ersten Tage und Wochen häufig von Sorgen, Unsicherheit und großer körperlicher Belastung geprägt – die Milchbildung setzt deshalb häufig erst mit Verzögerung ein. Für diese Kinder hat das Team der Neonatologie der Kinder- und Jugendklinik des Uniklinikums Erlangen nun eine Frauenmilchbank ins Leben gerufen. In dieser wird gespendete Milch von gesunden stillenden Müttern gesammelt, geprüft und steril aufbereitet. „Unser Ziel war es, möglichst vielen Frühgeborenen von Geburt an die bestmögliche Nahrungsversorgung zu bieten und ihnen damit einen guten Start ins Leben zu ermöglichen“, sagt Prof. Dr. Heiko Reutter, Leiter der Neonatologie. „Dass uns dies jetzt gelungen ist, freut uns sehr. Mit der neuen Frauenmilchbank gehören wir nun zu den wenigen Kliniken in Deutschland, die betroffenen Müttern dieses hilfreiche Angebot machen können.“
Muttermilch enthält nicht nur zahlreiche wertvolle Nährstoffe, sondern auch Antikörper und bioaktive Bestandteile. Sie stärkt das Immunsystem von Babys, kann das Risiko für Infektionen sowie schwere Darmerkrankungen senken und trägt wesentlich zur gesunden kindlichen Entwicklung bei. Bis ausreichend eigene Muttermilch zur Verfügung steht, bietet die Versorgung mit Spenderinnenmilch daher für Neugeborene viele gesundheitliche Vorteile gegenüber industriell hergestellter Anfangsnahrung. Zugleich schenkt die neue Frauenmilchbank den Müttern auch emotionale Sicherheit: „Ein Frühchen auf die Welt zu bringen, ist für viele Frauen sehr belastend. Ihnen dann die Gewissheit geben zu können, dass ihr Kind dennoch vom ersten Lebenstag an dank der gespendeten Muttermilch bestmöglich versorgt wird, ist sehr entlastend“, sagt Tanja Schuster, Kinderkrankenschwester sowie Still- und Laktationsberaterin in der Neonatologie des Uniklinikums Erlangen.
Die Frauenmilchbank unterliegt strengen Hygiene- und Qualitätsstandards: Bevor eine Mutter Milch spenden darf, wird sie medizinisch befragt und durch Blutuntersuchungen auf bestimmte Infektionen getestet. Die gesammelte Milch wird anschließend in der Milchküche pasteurisiert, mikrobiologisch kontrolliert und tiefgekühlt für maximal drei Monate gelagert. „Das Vorgehen gleicht dem Prinzip von Blutspendediensten“, sagt Ramona Bantke, Pflegedienstleitung Frauenklinik, Kinderherzchirurgie, Kinderkardiologie, Kinderklinik, Palliativmedizin. Als Spenderinnen kommen ausschließlich Mütter infrage, deren Kinder in der Neonatologie des Uniklinikums Erlangen in Behandlung sind. Externe Spenden kann die Frauenmilchbank derzeit nicht annehmen. „Unser Pflegeteam spricht mögliche Spenderinnen an und klärt sie über das Prozedere auf. Die Voraussetzung ist natürlich immer, dass ausreichend Muttermilch für das eigene Kind vorhanden ist“, so Ramona Bantke. „Die Resonanz auf unser neues Projekt ist sehr positiv. Viele Mütter freuen sich, mit ihrer Milchspende anderen Frauen und ihren Babys helfen zu können.“
Die Frauenmilchbank wurde von den Still- und Laktationsberaterinnen, der Pflegedienstleitung sowie Prof. Reutter initiiert. In einer intensiven Vorbereitungsphase besuchte das Projektteam unter anderem bestehende Frauenmilchbanken in anderen Kliniken und übertrug deren Erfahrungen sowie wissenschaftlich fundierte Empfehlungen in ein sicheres Konzept. Beteiligt sind neben dem pflegerischen und ärztlichen Team der Neonatologie einschließlich der Milchküche auch das Mikrobiologische Institut – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene sowie das Virologische Institut – Harald-zur-Hausen-Institut für Virologie des Uniklinikums Erlangen. „Die Frauenmilchbank ist ein gutes Beispiel dafür, was ein interdisziplinäres, multiprofessionelles Team bewirken kann – zum Wohle unserer kleinsten Patientinnen und Patienten“, so Prof. Reutter
Prof. Dr. Heiko Reutter
09131 85-41360
heiko.reutter(at)uk-erlangen.de
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