Hochgebildete Frauen bleiben auf dem Partnermarkt erfolgreich

Datum13.10.2026
SubjektUniversität Zürich UZH
RegionŠvýcarsko
KategorieUniverzity, Věda a výzkum

In der Schweiz hat sich der Anteil Frauen mit Hochschulabschluss seit 1999 verdreifacht. Eine Studie der Universität Zürich zeigt, wie dieser Wandel den Partnermarkt verändert: Hochgebildete Frauen finden weiterhin mehrheitlich einen Partner, Männer passen sich zunehmend an neue Bildungsverhältnisse an. Bei den Einkommen bleiben traditionelle Ungleichheiten jedoch erstaunlich stabil.

In keinem anderen europäischen Land stieg der Frauenanteil bei Hochschulabschlüssen in den letzten 25 Jahren so steil an wie in der Schweiz. Unter den 30- bis 40-jährigen Frauen hatten 1999 20 Prozent einen tertiären Abschluss, im Jahr 2024 waren es schon 60 Prozent. Bei Männern fiel der Anstieg deutlich moderater aus. Wie verändert sich der Partnermarkt, wenn Frauen im Durchschnitt höher gebildet sind, zugleich aber traditionellerweise Partner mit gleicher oder höherer Bildung bevorzugen? Finden gut ausgebildete Frauen heute schwerer einen Partner?

Forschende des Soziologischen Instituts der Universität Zürich (UZH) untersuchten die Entwicklung von Partnerschaftsmustern und ihren Zusammenhang mit dem Einkommen zwischen 1999 und 2024 in der Schweiz. Dazu analysierten sie Daten aus der sozialwissenschaftlichen Längsschnittstudie «Swiss Household Panel».

Die Partnerschaftsmuster hochgebildeter Männer passen sich an

Das Ergebnis: In der Schweiz scheint es zu keiner Verdrängung hochgebildeter Frauen aus dem Partnermarkt zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass hochgebildete Frauen zwischen 30 und 40 Jahren in einer Partnerschaft leben, lag in den letzten 25 Jahren stets bei über 80 Prozent mit einer leicht steigenden Tendenz. «Dieses Ergebnis hat uns überrascht. Wir hätten einen anderen Trend erwartet», sagt Hauptautor Marco Giesselmann von der UZH. Frauen mit Hochschulabschluss bevorzugten weiterhin überwiegend Partnerschaften mit gleich gebildeten Männern. «Die Studie zeigt, dass sich vor allem die Männer an die veränderte Bildungsverteilung angepasst haben.»

Während 1999 nur rund ein Viertel der hoch gebildeten Männer eine Verbindung mit einer Hochschulabsolventin eingingen, wurde dies 2024 zum vorherrschenden Muster. Auch solche mit mittlerer Bildung gingen im Zeitverlauf häufiger Partnerschaften mit höhergebildeten Frauen ein – 2024 fast viermal so oft wie noch 1999. Bei Männern mit niedriger Bildung deutet sich dagegen eine Verschlechterung der Beziehungschancen an: Für sie hat sich das Risiko, ohne Partnerin zu leben, zwischen 1999 und 2024 fast verdreifacht. Allerdings nimmt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung seit Jahren kontinuierlich ab.

Bildung wird ähnlicher – Einkommen bleibt ungleich

Auf den ersten Blick scheint es, dass traditionelle Muster der Partnerwahl an Bedeutung verlieren – also solche, in denen der Mann einen höheren Abschluss aufweist als die Frau. Doch die Studie zeigt auch: Wird statt der Bildung das Jahreseinkommen betrachtet, bleiben die traditionellen Muster deutlich stabiler. Die klassische Ungleichheit innerhalb von Paaren zeigt sich heute weniger über Bildung als weiterhin über Einkommen.

Nur 25 Prozent aller Männer im oberen Einkommensdrittel haben eine Partnerin, die ähnlich viel verdient wie sie – obwohl die meisten mittlerweile mit einer ebenfalls hochgebildeten Partnerin zusammen sind. «Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede stabilisieren weiterhin klassische ökonomisch ungleiche Partnerschaftsmuster», sagt Giesselmann. Traditionelle Statusunterschiede haben sich also nicht einfach aufgelöst, sondern teilweise nur verlagert.

Bedeutung über den Partnermarkt hinaus

Die Befunde liefern auch einen Hinweis für die Debatte rund um sinkende Geburtenraten in der Schweiz. Wenn die Partnerschaften relativ stabil bleiben, dann liegt die Ursache für den Geburtenrückgang gemäss den Forschenden weniger im Partnermarkt als in den institutionellen und kulturellen Rahmenbedingungen – etwa im stärkeren Wunsch von Paaren nach Selbstverwirklichung, in der Unvereinbarkeit von Beruf und Familie, der abnehmenden Selbstverständlichkeit der Familiengründung oder in steigenden Wohnkosten.

Literatur
Giesselmann, M., Rost, K., Sager, P., Döhne, M., Rössel, J., Vantis, C. (2026), Female Education Expansion in Switzerland and Marriage Market Dynamics: Attrition, Adaptation or Masked Hypergamy? Swiss Journal of Sociology 52(3). DOI: 10.26034/cm.sjs.2026.8867



https://www.news.uzh.ch/de/articles/media/2026/Partnerschaft_Akademikerinnen.html