Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung startet ins erste Kinderbetreuungsjahr.
Am kommenden Montag startet das neue Schul- und Kinderbetreuungsjahr für rund 141.500 Kinder und Jugendliche. Für Tirol ist dieser Tag ein besonderer: Mit dabei sind die ersten Kinder, die im heurigen Frühjahr nach dem Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung ab dem zweiten Geburtstag einen Platz vermittelt bekamen. Damit ist Tirol das erste Bundesland Österreichs, das ein solches Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung umgesetzt hat. Knapp 11.600 Anmeldungen gingen fristgerecht ein – und für all diese Kinder konnte eine passende Betreuungsmöglichkeit im Kindergarten, Hort oder in der Kinderkrippe gefunden werden. LH Anton Mattle, LHStv Philip Wohlgemuth und Bildungslandesrätin Cornelia Hagele gaben heute, Samstag, in Landeck den offiziellen Startschuss. Gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Mayer luden sie zur Pressekonferenz im neuen Kindergarten Angedair in Landeck, der im Anschluss feierlich eröffnet wurde.
„Wir sind die Ersten in Österreich, die ein Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung einführen. Damit haben wir ein klares Versprechen umgesetzt: Jedes Kind ab dem zweiten Geburtstag soll einen bedarfsgerechten und möglichst wohnortnahen Betreuungsplatz erhalten, wenn es einen braucht. Schon in der Kinderkrippe und im Kindergarten lernen unsere Jüngsten das Miteinander“, erklärt LH Mattle und ergänzt: „Für Eltern muss gute Kinderbildung und Kinderbetreuung vor allem eines bedeuten: Verlässlichkeit. Sie sollen sich darauf verlassen können, dass Familie und Beruf in Tirol miteinander vereinbar sind und sie echte Wahlfreiheit haben. Daran arbeiten wir und werden die Wirksamkeit des Rechts auf Kinderbildung und Kinderbetreuung beobachten. Unser Ziel ist es, Tirol zum Kinderland Nummer eins zu machen. Wir sind dabei auf einem guten Weg und werden weiterhin hart daran arbeiten.“
Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für das Betreuungsjahr 2027/28. Anmeldungen dafür sind ab 1. Dezember 2026 wieder über die Plattform FRIDA möglich. Bei Fragen stehen die KoordinatorInnen des Landes bereit: Unter dem Motto „FRIDA und IDA on Tour“ kommen sie während des Anmeldezeitraums zudem in alle Tiroler Bezirke und unterstützen unter anderem bei der Aktivierung der ID Austria. Die Termine sind über www.tirol.gv.at/frida einsehbar.
Tirol beim Ausbau der Kinderbetreuungslandschaft österreichweit führend
Immer mehr Einrichtungen bieten ganztägige Öffnungszeiten und die Möglichkeit eines Mittagessens. Dass bereits mehr als die Hälfte der Drei- bis Fünfjährigen einen Kindergarten mit erweiterten Öffnungszeiten besucht, beweist, dass dieses Angebot in Tirol zunehmend an Bedeutung gewinnt. Für LHStv Wohlgemuth ist der weitere Ausbau der Kinderbildung und -betreuung dabei nicht nur eine Frage des Angebots: „Mit dem Recht auf Kinderbildung und Kinderbetreuung schaffen wir etwas, das für Kinder und Eltern gleichermaßen wichtig ist: Verlässlichkeit und echte Chancen. Gute Kinderbildung darf nicht davon abhängen, wo ein Kind aufwächst oder welche Möglichkeiten seine Eltern haben. Gleichzeitig schaffen wir damit mehr Wahlfreiheit für Familien. Denn noch immer sind es überwiegend Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren oder beruflich zurückstecken, wenn eine passende Betreuung fehlt“, betont LHStv Wohlgemuth und führt fort: „Unser Auftrag ist nicht, Familien vorzuschreiben, wie sie ihr Leben organisieren sollen, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie selbst entscheiden können. Familie ist Teamarbeit – und eine verlässliche Kinderbetreuung ist dafür eine wichtige Grundlage.“
Dass Tirol diesen Weg bereits seit Jahren konsequent verfolgt, zeigt auch die Entwicklung der Betreuungslandschaft: Zwischen 2016/17 und 2022/23 wuchs die Zahl der Kinderbetreuungseinrichtungen in Österreich um fünf Prozent, acht Prozent waren es bei den Krippen, Kindergärten und Horten. Tirol ist dabei österreichweit führend, wie eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung zeigt: 29.400 Kinder wurden 2016/2017 betreut, sechs Jahre später waren es bereits 33.300 – das entspricht insgesamt einem Plus von mehr als 13 Prozent. Die Zahl der BetreuerInnen stieg in diesem Zeitraum sogar um mehr als 20 Prozent. Heute wird in Tirol ein neuer Rekord verzeichnet: „Aktuell betreuen unsere Pädagoginnen und Pädagogen mehr als 43.500 Kinder unter 15 Jahren. Zugleich verzeichnen wir einen Rekord bei den Einrichtungen. Diese sind seit 2020 um 82 auf heute 1.274 Einrichtungen gestiegen“, freut sich LRin Hagele.
Plus 82 in fünf Jahren: Mehr als 1.270 Betreuungseinrichtungen in Tirol
Das Angebot in Tirol verteilt sich auf 337 Kinderkrippen, 488 Kindergärten, 120 Horte sowie 329 weitere Betreuungsangebote wie Kinderspielgruppen, Tageseltern oder Ganztagsschulen. Zugleich verweist die Landesrätin auf steigende Betreuungszahlen: „Auch bei den Betreuungsquoten konnten wir wichtige Fortschritte verbuchen: Im letzten Betreuungsjahr haben wir erstmals die EU-Vorgaben der sogenannten Barcelona-Zielwerte übertroffen. 33,1 Prozent der Kinder unter drei Jahren und 96,7 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen wurden zuletzt betreut“, informiert LRin Hagele (mehr dazu in der Pressemeldung vom 5. Mai 2026).
Eine wichtige Rolle spielt letztendlich das Personal: Tirolweit sind aktuell rund 6.500 Fach- und Assistenzkräfte sowie 119 Tageseltern in der Kinderbildung und -betreuung tätig. Um die Qualität und die Weiterentwicklung des pädagogischen Angebots zu sichern, stellt das Land Tirol in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Tirol jährlich auch rund 59.000 kostenlose Fortbildungsstunden für ElementarpädagogInnen zur Verfügung. Ergänzend wurde ein neues Mentoringprogramm für BerufseinsteigerInnen in der Elementarpädagogik geschaffen.
FRIDA als Schlüssel
Ein wesentlicher Baustein für das Recht auf Kinderbildung ist die digitale Anmeldeplattform FRIDA. Seit der Aktivierung im Vorjahr gibt es erstmals einen einheitlichen Anmeldeprozess und eine landesweite Übersicht zu den Betreuungsangeboten. Eltern bzw. Erziehungsberechtigte geben dort ihren Betreuungsbedarf digital bekannt und melden ihr Kind für einen Platz in Kinderkrippe, Kindergarten oder Hort an. „Der Einführung von FRIDA sind einige wichtige Schritte vorausgegangen: Im Herbst 2023 haben wir im Anschluss an eine Studienreise nach Finnland den Grundstein für das Recht auf Kinderbildung gelegt. Schon wenige Monate später haben wir vier Pilotregionen mit 48 Gemeinden ausgerufen, um die Vorarbeiten für FRIDA zu starten“, gibt LH Mattle einen Einblick in den damaligen „10-Punkte-Plan“.
„Mittlerweile hat sich FRIDA erfolgreich etabliert. Bei der ersten Anmeldephase gingen rund 11.600 Anmeldungen fristgerecht ein, anschließend wurden die Plätze durch die zuständigen Gemeinden und privaten Erhalter zugeteilt. Wenn sich hier nicht sofort eine Lösung gezeigt hat, kamen unsere Koordinatorinnen und Koordinatoren ins Spiel, die bei der Vermittlung eines Platzes unterstützen“, betont LHStv Wohlgemuth.
Das neue System sei ein Vorteil für alle Seiten, pflichtet ihm auch LRin Hagele bei: „FRIDA hat einen Paradigmenwechsel gebracht: Erstmals wird der Betreuungsbedarf in Tirol landesweit sichtbar. Eltern können ihren Bedarf digital bekanntgeben, die Gemeinden erhalten einen besseren Überblick und wir können freie Plätze gezielt vermitteln. Dass allen fristgerecht angemeldeten Kindern für 2026/27 ein Platz vermittelt werden konnte, ist ein wichtiger erster Erfolg“, erklärt die Bildungslandesrätin.
Auch der Kindergarten Angedair startet ins neue Betreuungsjahr
Landecks Bürgermeister Herbert Mayer verweist abschließend auf die Bedeutung von FRIDA für Gemeinden und Familien: „FRIDA schafft auf Landesebene die Grundlage dafür, dass der Betreuungsbedarf sichtbar wird und die Familien verlässlich zu einem Platz kommen. Letztendlich muss Kinderbildung aber in den Gemeinden spürbar werden – und der neue Kindergarten Angedair ist dafür ein gutes Beispiel. Demnächst läuft der Betrieb an und soll bei den Kindern für schöne erste Bildungserfahrungen sorgen.“ Knapp 100 Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden in den neugebauten Räumlichkeiten betreut. Das Konzept des neuen Landecker Kindergartens, der sich in fünf Gruppen gliedert, orientiert sich an der sogenannten Werkstattpädagogik und sieht eigene Funktionsräume wie ein Atelier oder einen Raum für „NaturforscherInnen“ vor. Für den Kindergarten Angedair sind insgesamt 14 MitarbeiterInnen vorgesehen – sechs pädagogische Fachkräfte, vier Assistenzkräfte, zwei Stützkräfte sowie zwei zusätzliche Pädagoginnen für die Sprachförderung.
https://www.tirol.gv.at/presse/meldungen/meldung/wir-sind-die-ersten