Was wir erinnern (wollen)

9.9.2026 - | Deutscher Kulturrat

Politik & Kultur beleuchtet NS-Akten und die blinden Flecken des Kulturbetriebes.

Berlin, den 09.09.2026. Seit diesem Frühjahr ist die digitalisierte NSDAP-Mitgliederkartei frei im Internet zugänglich. Die zuvor auf Mikrofilm gespeicherten Akten wurden von der National Archives and Records Administration (NARA) der USA digitalisiert. Medienangebote von „Die Zeit“, „Der Spiegel“ und der „Süddeutschen Zeitung“ erleichtern mithilfe Künstlicher Intelligenz die Suche in den Dokumenten. Damit ist für viele Menschen erstmals unkompliziert nachvollziehbar, ob Eltern, Großeltern oder andere Angehörige Mitglied der NSDAP waren.

Die neue Ausgabe 9–10/2026 von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, nimmt diese Öffnung der Archive zum Anlass für den Schwerpunkt „Was wir erinnern (wollen). NS-Akten und die blinden Flecken des Kulturbetriebes“.

In den vergangenen Jahren haben wissenschaftliche Untersuchungen die personellen und institutionellen Kontinuitäten zwischen der NS-Zeit und der Bundesrepublik offengelegt – unter anderem in Bundesministerien, Justiz, Medizin und Psychiatrie. Der Kulturbereich blieb dabei lange weitgehend unter dem Radar. Zwar standen verfolgte, ins Exil gezwungene oder in der sogenannten inneren Emigration lebende Künstlerinnen und Künstler im Mittelpunkt der Erinnerung. Weniger kritische Aufmerksamkeit erhielten jedoch jene Personen, Netzwerke und Strukturen, die den Kulturbetrieb nach 1945 weiter prägten. Besonders sichtbar werden diese Kontinuitäten bis heute bei Restitutionsforderungen der Nachkommen von NS-Verfolgten.

Der Schwerpunkt fragt deshalb, wie der Kulturbetrieb seine eigene Vergangenheit aufgearbeitet hat, wo weiterhin blinde Flecken bestehen und was die neue Zugänglichkeit der NS-Akten für die Erinnerungskultur bedeutet. Dabei richtet sich der Blick unter anderem auf Archive, Musik, Film, Theater, Literatur und die europäische Erinnerungspolitik.

Olaf Zimmermann, Herausgeber von Politik & Kultur und Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates: „Die Öffnung der NSDAP-Mitgliederkartei bietet eine große Chance: Wir können genauer hinsehen – auf die eigene Familiengeschichte, aber auch auf die Institutionen und Netzwerke des Kulturbetriebes. Gerade die Kultur darf sich nicht mit dem Verweis auf verfolgte und exilierte Künstlerinnen und Künstler begnügen. Sie muss sich auch der Frage stellen, wer nach 1945 seine Karriere nahezu ungebrochen fortsetzen konnte und welche Folgen diese Kontinuitäten bis heute haben. Erinnerung beginnt dort, wo wir bereit sind, auch das Unbequeme wissen zu wollen.“

Der Schwerpunkt „Was wir erinnern (wollen). NS-Akten und die blinden Flecken des Kulturbetriebes“ ist auf den Seiten 17 bis 28 der Ausgabe 9–10/2026 von Politik & Kultur zu lesen.

Zu den Autorinnen und Autoren zählen:

Politik & Kultur ist die Zeitung des Deutschen Kulturrates. Sie wird herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler.

Sie ist in Bahnhofsbuchhandlungen, an großen Kiosken, auf Flughäfen und im Abonnement erhältlich: Einzelpreis 5,50 Euro, im Abonnement 30 Euro, im Abonnement für Studierende 25 Euro – jeweils inklusive Porto.

Die September/Oktober-Ausgabe von Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt „Was wir erinnern (wollen). NS-Akten und die blinden Flecken des Kulturbetriebes“ steht auch als kostenfreies E-Paper zum Herunterladen bereit.

https://www.kulturrat.de/presse/pressemitteilung/erinnern