Aus einem kleinen Metzgereibetrieb entstand in 120 Jahren ein Industrieunternehmen, das Maßstäbe im Lebensmittelbereich setzt. 1.750 Mitarbeitende hat das Familienunternehmen heute, 2025 betrug der Jahresumsatz rund 400 Millionen Euro. In 30 Länder wird exportiert.
Die Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ansbach, Karin Bucher, gratuliert zu dieser beeindruckenden Firmenentwicklung. „Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass ein Familienunternehmen in vierter Generation so gut dasteht“, lobt Bucher. „Das ist auch eine große Verantwortung für die Familie“, entgegnete Otto Kupfer jun. „Die Arbeit ist geprägt von Fleis, Innovation und Tradition. Meine Frau Hanna hat mir immer zur Seite gestanden und jede Generation hat sich rechtzeitig dem Markt anpassen müssen.“ Eine der Herausforderungen: Der Markt für Wurstwaren wird seit einigen Jahren kleiner, bei einer gleichbleibenden Anzahl von Produktionsbetrieben. In anderen Ländern wurden sogar Konkurrenzunternehmen mit EU-Hilfen aufgebaut.
„Ganz wichtig ist es, die ausländischen Mitarbeitenden hier zu integrieren, in Sportvereine oder ähnliches unterzubringen“, ist Geschäftsführer Maximilian Kupfer überzeugt. Deshalb hat Kupfer ein Betreuungsteam, das sich um solche Aufgaben kümmert. Er selbst hat bei Reisen in die Herkunftsländer der ausländischen Mitarbeiter viel über deren Mentalität und Traditionen gelernt, dass helfe heute bei der Integration in Heilsbronn. Noch vor fünf Jahren seien Führungskräfte frustriert gewesen, dass es zu wenig motivierte Auszubildende und Fachkräfte gegeben habe. Da hat Kupfer aktiv begonnen, diesen Bereich systematisch auszubauen. Es gibt Projekte mit regionalen Schulen, aber auch in verschiedenen Ländern der Welt. So konnten die Zahl der Auszubildenden und Fachkräfte deutlich verbessert werden.
Die Unterstützung von ausländischen Fachkräften ist auch Markus Lötzsch Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken wichtig. Mit einem „International Community Day Mittelfranken“ am 10. Oktober 2026 in Nürnberg will die IHK, dass sich Unternehmen aus der Region zum Thema ausländische Fachkräfte austauschen können. Er freut sich, dass sich die Zusammenarbeit von Behörden in Nürnberg bereits verbessert hat, wenn ausländischen Fachkräfte einreisen. „Da müssen wir besser werden, sonst kommen Fachkräfte nicht nach Deutschland, wenn es woanders einfacher geht“, pflichtet ihm Renate Eger vom IHK-Gremium Ansbach bei.
Jede Generation hat Herausforderungen
Die beeindruckende Geschichte der Heilsbronner Wurstfabrik beginnt mit Hans Kupfer bereits in der Kaiserzeit. Nach Schule und Ausbildung gründet er elf Jahre nach seiner Gesellenprüfung in einem Wohnhaus mit Metzgerei und Schlachthaus das Familienunternehmen. Mit dem Kauf des ersten Schweins 1906 ist der Grundstein der Firmengeschichte gelegt. Nach der Meisterprüfung 1920 dehnt er sein Vertriebsgebiet nach Nürnberg und Fürth aus. Weil er seine Produkte mit dem Fahrrad liefert, wird er der „Rucksackmetzger“ genannt. In der weiteren Entwicklung werden die ersten Mitarbeiter eingestellt, Maschinen und ein Lieferwagen angeschafft. Nach Kriegsende startet der Betrieb wieder, 1952 übernimmt Otto Kupfer sen. die Leitung der Großmetzgerei, aus der Hans Kupfer & Sohn wird. In den Wirtschaftswunderjahren gibt es ein starkes Wachstum beim Produktionsvolumen und bei der Mitarbeiterzahl. Es wird in viele Teile Deutschlands geliefert, erste Großaufträge werden angenommen.
Ein bedeutender Meilenstein war der Umzug in das Industriegebiet von Heilsbronn. Damit konzentriert sich das Familienunternehmen auf die Zerlegung und die Produktion von Fleisch- und Wurstwaren. Kupfer war das erste Unternehmen in Bayern mit einer EV-Nummer. Diese Nummer benötigt man heute, um den Handel beliefern zu dürfen. Sie garantiert höchste Hygieneansprüche. Ende der 1970er Jahre beschäftigt das Familienunternehmen bereits 200 Mitarbeiter, mit Otto Kupfer jun. tritt die dritte Generation in das Familienunternehmen ein. Ab 1985 beginnt das Unternehmen den Lebensmitteleinzelhandel zu beliefern, Norma und Aldi Süd zählen zu den Ersten. Auch nach Spanien und Frankreich wird exportiert. 1990 kommt ein Werk in Ilmenau (Thüringen) hinzu, 1993 in Nürnberg. Damals wurden dort pro Tag 10.500 original Nürnberger Rostbratwürste produziert, 2023 laufen täglich 1.400.000 Stück vom Band. Auch in Heilsbronn wird weiter ausgebaut, mit dem Neubau wird Kupfer zum modernsten Betrieb im deutschsprachigen Raum. Kurze Zeit später kommen ein weiteres Werk und eine neue Verwaltung hinzu, das Unternehmen beschäftigt nun 850 Mitarbeitende und erwirtschaftete damals einen Jahresumsatz von 160 Millionen Euro.
Traurige Zäsur
Nur vier Wochen vor der 100-Jahr Feier zerstört eine Brandkatastrophe 2/3 des Heilsbronner Stammwerkes. Die bereits bis ins Detail geplante Jubiläumsfeier wurde abgesagt. „Es war der größte Brand in Bayern, danach haben sogar die Versicherungen bei Industrieunternehmen das Versicherungsrisiko auf mehrere Gesellschaften verteilt“, erinnert sich Otto Kupfer jun. Es war eine große Belastung für alle. Dank des starken Zusammenhalts in der Familie und der Belegschaft, aber auch mit der lokalen Politik, ging es weiter. Auch die großen Kunden signalisierten Unterstützung. Nachdem der erste Schock überwunden war, wurde ein Werk in Naumburg angemietet, um weiter produzieren zu können. Nach nur zwei Jahren baute Kupfer das zerstörte Werk auf einer Fläche von 40.000 Quadratmetern neu auf.
2010 startet mit Johannes Kupfer die vierte Generation in der Geschäftsleitung, 2018 folgt sein Bruder Maximilian. Bruder Jakob eröffnet 2017 mit seiner Frau Julia den Metzgermarkt in Heilsbronn. Der Export in die USA und Asien wurde weiter ausgebaut, ebenso der Bio-Bereich und Fleischersatzprodukte, zehn Prozent vom Umsatz machen heute pflanzliche Erzeugnisse aus. 2020 entsteht ein Werk für vegane Produkte in Nürnberg. Auch in die Nachwuchsförderung und Fachkräftesicherung wird investiert. Nachdem es 2021 nur 5 Auszubildende in drei Werke gab, sind es heute 100. 90 Prozent kommen aus dem Ausland, dafür gibt es sieben Mitarbeiter in der Personalabteilung, die die ausländischen Kollegen in allen Lebenslagen begleiten.
Text: Mathias Neigenfind
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