Pistorius würdigt 70-jähriges Bestehen des Bundeswehr Verbandes

10.7.2026 - Egbert Sass | Bundesministerium für Verteidigung

Beim Parlamentarischen Abends des Deutschen Bundeswehr Verbandes würdigte Boris Pistorius das inzwischen sieben Jahrzehnte währende Engagement der Interessenvertretung aller Bundeswehrangehörigen. Der Minister machte zudem deutlich: Der Aufwuchs der Truppe ist in vollem Gange.

„Wir alle wissen: Am Ende sind es nicht nur Panzer, Flugzeuge, Schiffe oder Drohnen, die unser Land schützen. Es sind vor allem die Menschen, die in der Bundeswehr dienen, und das aus tiefer Überzeugung und mit viel Leidenschaft“, hob der Verteidigungsminister zu Beginn seines Grußwortes hervor. Beinahe vom ersten Tag an sei der Verband ein enger Wegbegleiter der Truppe gewesen, und zwar als Fürsprecher, Mahner, Gesprächspartner und Impulsgeber. „Der Deutsche Bundeswehr Verband steht der Bundeswehr als ein echter Partner zur Seite – so sehen wir das –, nicht immer bequem, aber kritisch und mit Haltung“, sagte Pistorius am 9. Juli 2026 in Berlin. „Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich für die großartige, vertrauensvolle, kritische und immer ehrliche Zusammenarbeit. Die brauchen wir auch für die Jahre, die jetzt vor uns liegen“, so der Minister weiter.

Der Deutsche Bundeswehr Verband steht der Bundeswehr als ein echter Partner zur Seite – so sehen wir das –, nicht immer bequem, aber kritisch und mit Haltung.

Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

NATO und Schutz der Ostflanke

Mit Blick auf Deutschlands Rolle innerhalb der NATO unterstrich Pistorius das gemeinsame Ziel: Es gehe auch darum, die Bundeswehr für Soldatinnen und Soldaten noch besser zu machen und so Deutschlands Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Die kommenden Monate gelte es darum zu nutzen, um die nationalen Prozesse noch enger mit den Planungen der NATO zu verzahnen: beim personellen Aufwuchs, der Infrastruktur, bei der Industrie und der gesamtstaatlichen Resilienz, so der Minister. Und fügte hinzu: „Ich bin gestern Abend vom NATO-Gipfel aus Ankara zurückgekehrt. Dort ist eines überdeutlich geworden, und das ist wichtig: Alle Partner sind bereit, einen starken Beitrag zur Resilienz, zur Stabilität und zur Entschlossenheit des Bündnisses beizutragen. Auch und gerade die Europäer, auf die es mehr ankommt denn je.“ Das sei viele Jahrzehnte anders gewesen und bilde die Grundlage dafür, dass die NATO so stark sei, wie lange nicht mehr. „Die NATO muss europäischer werden, damit sie transatlantisch bleiben kann.“

Beim Schutz der NATO-Ostflanke habe die Brigade Litauen unlängst im Rahmen der Übung Freedom Shield auf beeindruckende Weise gezeigt, was sie könne. „Wir haben mittlerweile rund 2.000 Angehörige vor Ort. Weitere kommen bis Ende 2027 schrittweise hinzu. Ich habe die Frauen und Männer unserer Brigade hochmotiviert erlebt. Sie sind die besten Multiplikatoren für alle, die überlegen, auch nach Litauen zu gehen“, so der Minister. Gleichzeitig sei klar: Am Ende gehe die Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen im Zweifelsfall über das Prinzip der Freiwilligkeit. Es könne also erforderlich sein, verpflichtende Maßnahmen zu ergänzen. Natürlich immer im Dialog mit den Betroffenen. So wie bei jeder anderen Personalmaßnahme auch. Denn Auftrag sei Auftrag.

Personeller Aufwuchs und Neuer Wehrdienst

Hinsichtlich des Personalaufwuchses der Bundeswehr betonte Pistorius: „Wir sprechen hier über das Herzstück unserer Streitkräfte: Da, wenn wir über die Brigade Litauen sprechen oder eben über den Neuen Wehrdienst. Wir reden über die Menschen, die in unseren Streitkräften dienen. Sie sind auch das Rückgrat der Bundeswehr von morgen. Und es müssen mehr werden.“ Rekrutierung, Ausbildung und Bindung von Personal blieben deshalb zentral. Gleichzeitig müsse der Alltag modern, attraktiv und verlässlich sein. Dafür sei viel getan worden, von der Modernisierung der Ausbildung bis hin zur Anpassung der Verpflichtungszeiten.

All das zeige Wirkung: Seit Jahresbeginn seien rund 38.500 Bewerbungen eingegangen, knapp ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Neueinstellungen seien auf rund 11.000 gestiegen. Das entspräche einem Plus von etwa 13 Prozent und zeige: „Der personelle Aufwuchs ist in vollem Gange und entwickelt sich gut.“

Positive Zahlen gebe es auch nach dem Start des Neuen Wehrdienstes: Mittlerweile seien rund 311.000 Anschreiben zur Wehrerfassung verschickt worden. Damit sei man genau im Plan. Die Rücklaufquote bei den Männern liege bei 96 Prozent. Und gut jeder Fünfte von ihnen könne sich vorstellen, zur Bundeswehr zu kommen.

Wachsende Rolle der Reserve

Der Neue Wehrdienst soll auch zum Aufbau einer schlagkräftigen Reserve beitragen. Pistorius machte deutlich: „Reservistinnen und Reservisten übernehmen beim Aufwuchs der Bundeswehr Schlüsselaufgaben. Sie, die Reserve, ist kein nice to have, sondern eine tragende Säule unserer Verteidigungsfähigkeit – als integraler Bestandteil der Truppe. Das unterstreicht die jüngst gebilligte Verteidigungsaufstellung.“ Kürzlich habe das Kabinett das Reservestärkungsgesetz auf den Weg gebracht. Es schaffe den entsprechenden zeitgemäßen rechtlichen Rahmen: Alle relevanten Vorschriften würden in einem eigenen Reservistengesetz gebündelt und klare, verständliche und übersichtliche Regelungen geschaffen.

Infrastruktur und Material

Das Verteidigungsministerium arbeite mit Hochdruck am Aufwuchs der Bundeswehr. Dazu Pistorius: „Nicht irgendwann, sondern jetzt. Wir beschaffen deutlich mehr Material und setzen dabei verstärkt auf Innovationen.“ Zur materiellen Einsatzbereitschaft gehörten auch notwendige Entscheidungen wie bei den Projekten FCAS oder F-126. Auch hier zähle am Ende das, was auf die Einsatzbereitschaft einzahle. Das bedeute, den Mut zu haben aus Projekten auszusteigen und pragmatischere, zuverlässigere und preiswertere Lösungen anzugehen, wenn dies erforderlich sei.

Zukünftig würden ebenfalls die dringend benötigten Infrastrukturprojekte noch schneller realisiert. Das im Kabinett verabschiedete Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz setze hierfür den rechtlichen Rahmen. Denn auch im Bereich Infrastruktur stehe die Bundeswehr vor einer Erneuerung in einem Umfang, der seit ihrer Gründung beispiellos sei.

Menschen im Mittelpunkt

Die Bundeswehr sei nur stark, wenn sie auf die Menschen bauen könne, die ihr dienten – aktiv, in der Reserve und in einer Gesellschaft, die die Bundeswehr unterstütze. „Wir haben tolle Frauen und Männer in der Bundeswehr, die einen herausragenden Dienst leisten. Auf sie bauen wir und auf sie können wir stolz sein. Ich jedenfalls bin es. Und ich freue mich sehr, mit dem Deutschen Bundeswehr Verband gemeinsam Seite an Seite weiter für diese Menschen zu arbeiten“, schloss Pistorius.

Oberst André Wüstner, der Bundesvorsitzende des Deutschen Bundeswehr Verbandes, würdigte die Zusammenarbeit: „Als Berufsverband haben wir sieben Jahrzehnte lang bewiesen, dass es gut ist, nicht nur miteinander zu sprechen und manchmal zu streiten – sondern gemeinsam den besten Weg für eine einsatzbereite Bundeswehr zu beschreiten.“

von Egbert Sass



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