Auszeichnung für den vorbildlichen Einsatz im Kampf gegen Antisemitismus: Der Präsident des Landgerichts Bayreuth Matthias Burghardt und Kriminalhauptkommissar Harald Frießner, Referent beim Beauftragten gegen Hasskriminalität der Bayerischen Polizei, haben am gestrigen 7. Juli den Fritz-Neuland-Gedächtnispreis im Münchner Justizpalast entgegengenommen. Der Preis, ausgelobt von dem Münchner Michael Frederic Fischbaum in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsministerien der Justiz und des Innern, für Sport und Integration, wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben. Er richtet sich an engagierte Juristinnen und Juristen sowie Angehörige von Polizei und Justiz. Pro Kalenderjahr können jeweils zwei Preise verliehen werden, die mit jeweils 7.500 Euro dotiert sind.
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich beim Festakt: „Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ist gerade in der heutigen Zeit, in der wir die schlimmste Antisemitismuswelle nach Ende des Zweiten Weltkriegs erleben und Demokratien durch den zunehmenden Einfluss von autoritären Kräften weltweit unter Druck geraten, besonders bedeutsam. Der Präsident des Landgerichts Bayreuth, Matthias Burghardt, hat mit dem Forschungsprojekt ‚Sondergericht und Volksgerichtshof in Bayreuth‘ einen wichtigen Beitrag zur Schärfung des historischen Bewusstseins für das NS-Unrecht und die besondere Verantwortung der Justiz geleistet.“ Über fünf Jahre wurde in diesem Forschungsprojekt das im Namen der Justiz begangene Unrecht aufgearbeitet (die Ergebnisse sind hier abrufbar). Im Zentrum stehen die Urteile des während der NS-Zeit gebildeten Sondergerichts Bayreuth und der Senate des Volksgerichtshofs, die Anfang 1945 nach Bayreuth verlegt worden waren, sowie der Umgang mit diesem Justizunrecht nach 1945. Eisenreich: „Das Ergebnis der Arbeit ist ein wichtiger Beitrag für die Auseinandersetzung mit NS-Justizunrecht und für die Bekämpfung von Antisemitismus. Ich möchte Matthias Burghardt und Harald Frießner für ihr weit über die Dienstpflicht hinaus reichendes Engagement danken und zur verdienten Auszeichnung mit dem diesjährigen Fritz-Neuland-Gedächtnispreis gratulieren.“
Harald Frießner ist seit drei Jahren Referent beim Beauftragten gegen Hasskriminalität der Bayerischen Polizei. Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner betonte in seiner Laudatio: „Der Schutz unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und der Kampf gegen Hass und Hetze hat für uns oberste Priorität. Kriminalhauptkommissar Frießners Engagement leistet einen ganz maßgeblichen Beitrag zur Arbeit der Bayerischen Polizei in diesem Bereich. Er setzt sich tatkräftig und kompromisslos für die Bekämpfung von Antisemitismus sowie die Sichtbarmachung jüdischen und israelischen Lebens in Bayern ein. Wenn sich von Antisemitismus betroffene Juden oder israelische Staatsangehörige an den Beauftragten der Bayerischen Polizei gegen Hasskriminalität wenden, kümmert sich Herr Frießner persönlich um diese Anliegen. Darüber hinaus ist er einer der wesentlichen Initiatoren des neuen ressortübergreifenden Leitfadens für die Antisemitismus-Beauftragten an den bayerischen Hochschulen, der aktuell mit allen Beteiligten final abgestimmt wird, und Mitinitiator des Fußball-Turniers ‚Gemeinsam-Füreinander-Cups‘, an dem Mannschaften sowohl aus der muslimischen als auch der jüdischen Community teilnehmen. Ich freue mich sehr, dass dieser großartige Einsatz mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis gewürdigt wird.“
Namensgeber der Auszeichnung ist der Rechtsanwalt und zweite Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern nach dem Zweiten Weltkrieg, Fritz Neuland. Neuland war der Vater der heutigen Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch. Charlotte Knobloch erinnerte im Justizpalast an die Verdienste ihres Vaters: „Der Glaube meines Vaters an den deutschen Rechtsstaat war unerschütterlich. Noch als nahezu alle jüdischen Menschen Deutschland vor allem verlassen wollten, ließ er keinen Zweifel daran, dass hier und nur hier sein Platz sein konnte. Mit diesem Vertrauen war er seiner Zeit voraus; die Arbeit der deutschen und vor allem bayerischen Justiz hat ihm aber schließlich Recht gegeben. Der Preis, der in seinem Namen und ihm zu Ehren verliehen wird, ist Ausweis von und Anerkennung für das große Engagement von Juristen in diesem Land gegen die Geißel des Judenhasses. Die Preisträger tun mehr, als sie müssten, und sind gerade darin Vorbilder: Nur so können Staat und Gesellschaft gemeinsam den Antisemitismus niederringen. Dass ihnen das gelingt, darauf vertraue heute auch ich.“
Dem Preisgericht gehören auch der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, und der Mit-Initiator des Preises, der Landtagsabgeordnete Josef Schmid an. Dr. Spaenle betonte: „Gerade in einer Zeit, in der Jüdinnen und Juden von Antisemiten immer wieder massiv angegangen werden, ist es wichtig, dass der Staat ihre Sicherheit garantiert. Rund 540 antisemitische Straftaten in Bayern im vergangenen Jahr zeugen von einer dramatischen Entwicklung. Harald Frießner, Referent aus dem Team des Beauftragten der Bayerischen Polizei gegen Hasskriminalität, insbesondere Antisemitismus, steht dafür, dass Hass, Hetze und Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens im Freistaat Bayern nicht geduldet werden, er steht dafür, dass der Rechtsstaat kein zahnloser Tiger ist, sondern wirksam handelt. Deshalb begrüße ich es sehr, dass Herr Frießner 2026 mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis ausgezeichnet wird. Ich freue mich, dass auch der Präsident des Landgerichts Bayreuth, Matthias Burghardt, in diesem Jahr mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis ausgezeichnet wird. Gemeinsam mit dem Staatsarchiv Bamberg hat er ein Forschungsprojekt zum Thema ‚Sondergericht und Volksgerichtshof Bayreuth‘ realisiert, das wichtige Fakten zur Justiz in der NS-Diktatur zu Tage gefördert hat.“
Fotos der Veranstaltung werden zeitnah unter Medienportal – Bayerisches Staatsministerium der Justiz verfügbar sein.
Über die Preisträger:
Matthias Burghardt (67), Präsident des Landgerichts Bayreuth, trat im Jahr 1988 als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Bayreuth in den bayerischen Justizdienst ein. Nach einer Abordnung an die Staatsanwaltschaft Chemnitz wirkte er im weiteren Verlauf seiner beruflichen Karriere als Richter am Amts- und Landgericht Bayreuth. Anschließend war Matthias Burghardt ab November 2005 zunächst Richter am Oberlandesgericht Bamberg und ab Mai 2013 Vizepräsident des Landgerichts Hof. Mit Wirkung vom 1. November 2016 wurde er zum Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Bamberg ernannt. Seit 1. Oktober 2019 ist Matthias Burghardt Präsident des Landgerichts Bayreuth. Matthias Burghardt hat neben seiner beruflichen Tätigkeit wichtige Projekte für Justiz und Gesellschaft ins Leben gerufen und mit großem persönlichen Einsatz in die Tat umgesetzt. Besonders engagiert hat er sich im Bereich der Erinnerungskultur: Durch das Forschungsprojekt „Sondergericht und Volksgerichtshof in Bayreuth“, das Matthias Burghardt 2020 initiiert und über fünf Jahre betreut hat, wurde zusammen mit der Universität Bayreuth am Beispiel des Landgerichts Bayreuth gezeigt, welche Rolle die deutsche Justiz in der NS-Zeit gespielt hat. Dabei wurden nicht nur Gesetzgebung und Rechtsprechung der NS-Zeit sowie die damals handelnden Personen untersucht, sondern auch der Umgang mit Justizunrecht nach dem Ende des 2. Weltkriegs beleuchtet. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auch auf den Angeklagten und Verurteilten, deren Schicksale nicht vergessen werden sollen.
Kriminalhauptkommissar Harald Frießner (62) begann seine Karriere bei der Bayerischen Polizei 1981 als Praktikant. Einen Großteil seiner Dienstzeit verbrachte er in München und war dort seit 1997 im Bereich der Kriminalprävention tätig. Anfang 2023 wechselte er als Referent ins Team des Beauftragten der Bayerischen Polizei gegen Hasskriminalität im Bayerischen Landeskriminalamt und befasst sich dort intensiv mit den Phänomenbereichen Antisemitismus und Antiziganismus sowie präventiven Bekämpfungsstrategien gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Seit 2023 ist Herr Frießner Initiator und Mitorganisator des interkulturellen Fußballturniers „Gemeinsam-Füreinander-Cup“, das den Dialog zwischen Polizei und Migranten-Communities fördert. Seit vielen Jahren ist Herr Frießner zudem in der Europäischen Janusz Korczak Akademie aktiv, einer jüdischen Bildungseinrichtung zur Förderung von Demokratie, Menschenrechten und dem interkulturellen Dialog. Bis Anfang 2024 brachte er seine Expertise als beratendes Mitglied im Kinder- und Jugendhilfeausschuss der Stadt München ein. 2026 wurde er in den Bezirksausschuss gewählt und ist Mitglied in den Unterausschüssen Soziales, Integration und Wohnen sowie Bildung, Sport und Gesundheit.