Internationale Perspektiven auf KI in der Hochschulbildung

29.6.2026 - | Universität Bonn

GUSI-Netzwerk: Zum Strategietreffen über KI in Studium und Lehre begrüßte die Uni Bonn Partneruniversitäten aus den USA, Israel, Schottland und Japan.

Künstliche Intelligenz entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit zu einem prägenden Faktor der Hochschulbildung. Sie eröffnet neue Möglichkeiten für Lernen, Lehren und Prüfen, stellt Universitäten aber zugleich vor grundlegende strategische, ethische und organisatorische Fragen. Wie Hochschulen diesen Wandel verantwortungsvoll gestalten können, stand im Mittelpunkt des Jahrestreffens des internationalen Hochschulnetzwerks Global Universities for Societal Impact (GUSI), das die Universität Bonn vom 10. bis 12. Juni 2026 ausrichtete. Vertreter*innen der fünf Partneruniversitäten diskutierten darüber, wie KI Forschung und Lehre verändert, und welche Antworten Hochschulen auf diese Entwicklungen finden müssen.

Mit dem diesjährigen Treffen setzte das GUSI-Netzwerk seine Zusammenarbeit an der Schnittstelle von wissenschaftlicher Exzellenz und gesellschaftlicher Verantwortung fort. Die fünf Partneruniversitäten verbindet das Ziel, globale Herausforderungen gemeinsam zu adressieren und voneinander zu lernen. „Künstliche Intelligenz verändert Hochschulen weltweit. Umso wichtiger ist es, Erfahrungen, Perspektiven und Lösungsansätze international zusammenzuführen“, sagte Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch, Prorektorin für Internationales der Universität Bonn. „Das GUSI-Netzwerk schafft dafür einen einzigartigen Rahmen, und die Diskussionen in Bonn haben gezeigt, wie gewinnbringend der Austausch zwischen unterschiedlichen akademischen Kulturen und Bildungssystemen sein kann.“

Internationale Expertise zu KI in der Hochschulbildung
An dem Treffen nahmen Delegationen der Emory University (USA), der Hebrew University of Jerusalem (Israel), der University of St Andrews (Schottland), der Waseda University (Japan) sowie der Universität Bonn teil. Im Mittelpunkt standen das jährliche Board Meeting des Netzwerks sowie der erste thematische GUSI-Workshop „AI / Education“, der Expert*innen aus allen Mitgliedsuniversitäten zusammenbrachte. Die Wissenschaftler*innen beleuchteten dabei den Einsatz von KI in Studium und Lehre aus unterschiedlichen Perspektiven. Expert*innen der Hebrew University stellten beispielsweise ein institutionelles Modell zur Integration generativer KI in die universitäre Lehre vor, während die Vertreter*innen der University of St Andrews anhand ihrer Plattform „SimPatient“ zeigten, wie KI-gestützte simulierte Patient*innengespräche in der medizinischen Ausbildung eingesetzt werden können. Mit dem Projekt „AnthroAI“ rückten sie zugleich die kritische Auseinandersetzung mit KI in den Geistes- und Sozialwissenschaften in den Fokus. Forschende der Waseda University präsentierten Ansätze, mit denen sich Lernverständnis und Leistungen im Sprachunterricht mithilfe von KI einschätzen lassen, und skizzierten Perspektiven einer umfassenderen KI-Bildung. Fachleute der Emory University widmeten sich wiederum der Frage, wie Hochschulen jenseits von Hype und Verunsicherung zu einem verantwortungsvollen Einsatz von KI gelangen können.

Auch Wissenschaftler*innen der Universität Bonn gestalteten das Programm mit mehreren Beiträgen und Diskussionsformaten mit. Sie befassten sich unter anderem mit dem Einsatz von KI in der medizinischen Ausbildung, der Förderung akademischer Schreibkompetenzen sowie mit Anwendungen in der Sprachwissenschaft. „Entscheidend für die Zukunft von Studium und Lehre ist nicht nur die Technologie selbst, sondern vor allen Dingen, wie wir sie didaktisch sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen“, betonte Prof. Dr. Klaus Sandmann, Prorektor für Studium, Lehre und Hochschulentwicklung der Universität Bonn. Er erklärte: „KI wird ihr Potenzial in der Hochschulbildung nur dann entfalten, wenn ihre Nutzung von wissenschaftlicher Reflexion, klaren Leitlinien und einem kontinuierlichen Austausch begleitet wird. Das GUSI-Netzwerk hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Erfahrungen über Länder- und Hochschulgrenzen hinweg zusammenzuführen, damit alle mehr Orientierung im Umgang mit den rasanten Entwicklungen gewinnen.“

Bonn als Ort des internationalen Austauschs
Neben den Fachvorträgen nutzten die Partneruniversitäten das Treffen, um die nächsten Schritte des Netzwerks zu planen. In mehreren Sitzungen während des Board Meetings verständigten sie sich auf neue Kooperationsformate in Forschung und Lehre sowie auf gemeinsame Projekte für die kommenden Jahre.

Auch die Working Groups präsentierten ihre aktuellen Ergebnisse. Dabei wurde deutlich, wie eng die Partneruniversitäten inzwischen zusammenarbeiten. Gemeinsame Vorhaben werden zunehmend standortübergreifend entwickelt, Synergien gezielt genutzt. Ein Schwerpunkt der Gespräche lag dabei auf der strategischen Ausrichtung von GUSI. Das Netzwerk will seine Sichtbarkeit weiter erhöhen und arbeitet dafür unter anderem an einer stärkeren digitalen Präsenz, die Aktivitäten und Angebote künftig zentral bündeln soll.
Darüber hinaus diskutierten die Delegationen, wie sich gemeinsame Forschungsinitiativen langfristig ausbauen lassen. Ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit ist ein internationales Programm zur Förderung interkultureller Kompetenzen von Promovierenden, bei dem sich Nachwuchswissenschaftler*innen über kulturelle und institutionelle Grenzen hinweg austauschen. Das Programm soll fortgeführt und erweitert werden.

GUSI: Globales Netzwerk mit gesellschaftlicher Verantwortung
Das Netzwerk Global Universities for Societal Impact (GUSI) wurde 2023 von der Universität Bonn, der Emory University, der Hebrew University of Jerusalem, der University of St Andrews und der Waseda University gegründet. Ziel ist es, internationale Kooperationen in Forschung und Lehre auszubauen, globale Herausforderungen gemeinsam anzugehen und gesellschaftliche Verantwortung als Kernaufgabe von Hochschulen zu stärken.

Von 2024 bis 2027 widmet sich das Netzwerk schwerpunktmäßig dem Thema Künstliche Intelligenz. Der erste thematische Workshop in Bonn markierte einen wichtigen Meilenstein dieser Zusammenarbeit. Innerhalb der GUSI-Struktur wechseln die Vorsitzfunktionen von Board und Operations Committee jährlich. Nach der Emory University wird die Universität Bonn im akademischen Jahr 2026/27 turnusgemäß den Vorsitz des Netzwerks übernehmen.

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