Vor ihrer Abreise nach Syrien erklärte Staatsministerin Serap Güler heute (15.06.2026).
Deutschland und Syrien verbindet eine ganz besondere Beziehung. Deutschland stand in der Zeit der Assad-Diktatur und des Krieges in Syrien immer an der Seite des syrischen Volkes. Wir haben das Assad-Regime bis zu seinem Sturz verurteilt. Wir haben die Zivilbevölkerung in Syrien und die syrische Opposition über Jahre unterstützt. Und wir haben über einer Million aus Syrien vor der Unterdrückung durch das Assad-Regime geflüchteter Menschen Zuflucht in Deutschland geboten.
Nun stehen wir vor der Chance, dass ein neues Syrien entsteht. Dafür wollen wir die breite und tiefe Verbindung unserer Länder voll zum Tragen bringen. Deutschland hat ein überragendes Interesse an einem stabilen Syrien, das in Frieden mit seinen Nachbarstaaten lebt und das seinen Bürgerinnen und Bürgern die Aussicht auf Frieden und ein Leben in Sicherheit und Würde bietet. Ein Syrien, das endlich eine stabile Sicherheitslage, Rechtssicherheit und wirtschaftliche Perspektiven bietet. Das sind auch die Umstände, die vielen geflüchteten Syrerinnen und Syrer auch aus Deutschland eine Rückkehr in ihr Land ermöglichen können. Deutschland und Europa unterstützen die syrische Regierung und die Menschen in Syrien auf diesem schwierigen, aber so chancenreichen Weg.
Gleichzeitig ist der Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft nach Jahrzehnten des Krieges auch eine große Chance für die deutsche Wirtschaft. Die syrische Regierung hat angekündigt, die Wirtschaft des Landes zu öffnen, Verwaltung und Infrastruktur zu modernisieren und damit eine attraktive und sichere Umgebung für Investitionen ausländischer Unternehmen zu schaffen. Das Interesse deutscher Unternehmen an Syrien wächst und auch mit dieser Reise möchte ich das Wachstum von Investitionen und Handel befördern.
Bei meinem Besuch vor Ort werde ich darüber mit Vertreterinnen und Vertretern der syrischen Regierung, der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und den verschiedenen Minderheitengruppen des Landes sprechen. Auf dieser Reise wollen wir als Bundesregierung erstmals seit dem Sturz der Assad-Diktatur neben Damaskus auch weite Teile Syriens besuchen, darunter die Küstenstädte Tartus und Latakia sowie Syriens früheres Wirtschaftszentrum, das heute so stark zerstörte Aleppo.
Entscheidend für die Stabilisierung und eine friedliche Zukunft für Syrien ist nach unserer Überzeugung ein inklusiver Transitionsprozess. Er muss die Rechte aller regionalen, gesellschaftlichen, religiösen und ethnischen Gruppen in Syrien berücksichtigen und ihnen gleichberechtigte politische Teilhabe eröffnen. Dazu gehört insbesondere auch das baldige Zusammentreten einer Nationalversammlung, welche die Anliegen aller Syrerinnen und Syrer, unabhängig von der Bevölkerungsgruppe, vertritt und als Plattform für einen friedlichen und gleichberechtigten Dialog über die Zukunft Syriens dienen kann.
Der Besuch von Staatsministerin Güler schließt an den Besuch des syrischen Präsidenten al-Sharaa bei Bundeskanzler Merz am 30. März 2026 und den Besuch von Außenminister Wadephul in Syrien im Oktober 2025 an. Er erfolgt gut anderthalb Jahre nach dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad am 8. Dezember 2024 und dem Ende des Krieges in Syrien, der nach Schätzungen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschen mehr als 600.000 Leben gekostet hat. Über 12 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung, flohen während des Krieges aus Syrien oder wurden Binnenvertriebene. Über eine Million aus Syrien geflüchteter Menschen fand Zuflucht in Deutschland.
Deutschland ist seit vielen Jahren einer der größten Geber humanitärer Hilfe für Syrien und adressiert grundlegende Bedarfe in den Bereichen Ernährungssicherung, Gesundheit und Unterkünfte. Darüber hinaus trägt Deutschland als größter Geber über das Auswärtige Amt zum Wiederaufbaufonds “Syria Recovery Trust Fund” (SRTF) bei, der u. a. lokale Gesundheitsversorgung-, Wiederaufbau- und Finanzhilfeprojekte umsetzt.
Über das BMZ unterstützt die Bundesregierung Maßnahmen zum Wiederaufbau in den Bereichen Gesundheit, Infrastrukturrehabilitierung, Bildung, Wasser, lokale Wirtschaftsentwicklung, gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit. Auch der Privatsektor wird zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung und Schaffung von Job-Chancen eingebunden.
Daneben sind die Unterstützung und Begleitung einer inklusiven und friedlichen politischen Transition und rechtliche Aufarbeitung der Vergangenheit Schwerpunkte der deutschen Unterstützung für Syrien.
Beim Antrittsbesuch des syrischen Präsidenten al-Sharaa in Berlin am 30. März 2026 hat Bundeskanzler Merz ihm die Fortsetzung der Unterstützung Deutschlands für Stabilität und Wachstum in Syrien zugesagt. Dazu: www.bundesregierung.de