Olivenöl mit billigem Öl gestreckt

13.6.2026 - | Stiftung Warentest

Die Lebens­mittel­über­wachung hat in gut jedem zehnten nativen Olivenöl extra Verfälschungen mit Fremdöl entdeckt. Betroffen waren viele Öle aus Mehr­liter-Kanistern.

Olivenöl ist teuer und hat ein hohes Risiko, verfälscht zu werden. Die Lebens­mittel­über­wachung in Baden-Württem­berg hat 2025 zahlreiche Betrügereien aufgedeckt. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart hatte dafür über 500 Olivenöle untersucht, von denen die meisten als nativ extra vermarktet wurden.

Fazit der nun veröffent­lichten Ergeb­nisse: Elf Prozent der Öle der höchsten Güteklasse waren mit billigen Fremd­ölen gestreckt – meist mit raffiniertem, teils ranzigem Sonnenblumenöl. In manchen Fällen waren Farb- und Aroma­stoffe zugesetzt, um das Aussehen und den Geschmack von reinem Olivenöl vorzutäuschen. Viele der gestreckten Produkte waren in Fünf-Liter-Kanistern abge­füllt. Die Groß­kanister sind laut CVUA über kleine Einzel­händler, die Gastronomie oder Online-Shops zu handels­üblichen Preisen verkauft worden.

Bei vielen Ölen bestand bereits ein Verdacht

Im Vergleich zu früheren Olivenöl-Checks des Amtes war die Quote an Verfälschungen mit Fremd­ölen enorm hoch. In den Jahren 2022 bis 2024 seien nur etwa 2 bis 3 Prozent der nativen Olivenöle damit aufgefallen. Die Kontrolleure wählten die Olivenöle für den Check risi­koor­ientiert aus. Das heißt, dass bei vielen Ölen ein Verdacht bestand, dass etwas nicht stimmt.

Mit verfälschtem Olivenöl können Kriminelle viel Geld machen: Von 2022 bis 2025 stiegen die Preise um 66 Prozent, was unter anderem an klimabe­dingten Ausfällen in der Oliven­ernte lag. Seit einiger Zeit entspannt sich die Lage wieder etwas, aber preis­wert ist Olivenöl weiter nicht.

In den Olivenöl-Tests der Stiftung Warentest kamen Fälschungen mit Fremd­ölen in den vergangenen Jahren nicht vor. Wir wählen die meisten Produkte nach Markt­bedeutung aus. Viele der von uns geprüften Olivenöle gehören zu den meist­verkauften in Supermärkten, Discountern und Drogeriemärkten. Diese Öle erweisen sich im Vergleich als besser kontrolliert – trotz einiger Ausreißer in der Qualität.

Manche mit sensorischen Fehlern

Das CVUA bean­standete nicht nur gestreckte Öle: Insgesamt 43 Prozent der 534 untersuchten Olivenöle wiesen Mängel in Qualität und Kenn­zeichnung auf. Im Vorjahr lag die Bean­standungs­quote noch bei 38 Prozent.

In der sensorischen Prüfung etwa fielen native Olivenöle extra mit Fehlern in Geschmack und Geruch auf. Die Kenn­zeichnung nativ extra stimmte damit nicht. Öle mit leichten sensorischen Fehlern lassen sich teils noch als nied­rigere Qualitäts­stufe „nativ“ vermarkten, sofern noch eine Oliven­fruchtig­keit erkenn­bar ist. Produkte mit starken Fehlern gehören in die Kategorie „Lampantöl“. Es darf nicht als Lebens­mittel verkauft werden.

Schad­stoffe bei Trester­ölen gravierend

Zum Check gehörten auch Schad­stoff­unter­suchungen von ausgewählten Ölen. Poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK) waren unauffäl­lig, auch bei nativen Oliven­ölen extra und nativen Oliven­ölen. Die Lebens­mittel­kontrolleure prüften raffinierte Öle und Oliventresteröle noch auf die Mineral­ölkohlen­wasser­stoffe Mosh und Moah, wobei die Tresteröle durch gravierend hohe Gehalte auffielen. Tresteröle werden aus Rück­ständen vom Ölpressen gewonnen und raffiniert. Mitunter kommen sie in der Gastronomie zum Einsatz. Für den privaten Gebrauch spielt Tresteröl in Deutsch­land keine Rolle.

Tipp: In unserem jüngsten Olivenöl-Test vom Februar 2026 gab es gute native Olivenöle extra von Handels­marken aus dem Supermarkt ab 8 Euro pro Liter, die beiden Testsieger kosteten 14 Euro und sogar 56 Euro pro Liter. Olivenöl ist ein wichtiger Teil der mediterranen Kost, einem empfehlens­werten Ernährungskonzept.


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