Wirk­samer Schutz für Mädchen und Jungen – aber zu wenig genutzt

10.6.2026 - | Stiftung Warentest

Zahlen belegen: Die Impfung gegen HPV beugt sehr wirk­sam Gebärmutterhals­krebs vor. Auch Jungen profitieren. Dennoch bleiben die Impf­zahlen gering.

Sie gehören zu den häufigsten sexuell über­trag­baren Erregern und fast alle Menschen stecken sich im Laufe des Lebens mit ihnen an, oft bereits beim ersten Sexual­kontakt – humane Papillomviren, kurz HPV. Sie können Krebs auslösen, meist am Gebärmutterhals, daneben können auch After, Penis, Mund oder Rachen befallen werden.

Nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen profitieren

Die gute Nach­richt: Die seit 2006 verfügbare Impfung gegen HPV bietet einen sehr hohen Schutz dagegen. Laut Studien­daten nützt sie nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen. Frisch bestätigt ist das durch eine Unter­suchung von Forschenden aus Japan und den USA im Fachjournal Jama Oncology. Einbezogen waren 615 155 Jungen, die mit dem üblichen Impf­stoff gegen neun Unter­typen von HPV geimpft worden waren, sowie rund 2,3 Millionen ungeimpfte Jungen. Es zeigte sich: Die Teilnehmer der geimpften Gruppe erkrankten in den Folge­jahren nur etwa halb so oft an HPV-bedingten Krebs­erkrankungen wie die Ungeimpften.

Zwei Impf­dosen bis zum 14. Lebens­jahr

Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht sich für eine frühe Impfung aus. Aktuelle Studie zeigen, dass die Effektivität der Impfung bei Unter-15-Jährigen deutlich höher ist als bei älteren Jugend­lichen. Die Ständige Impf­kommis­sion empfiehlt daher die Immunisierung für Mädchen und Jungen ab neun Jahren, idealer­weise vor dem ersten sexuellen Kontakt. Bis zum 14. Lebens­jahr brauchen Kinder nur zwei Impf­dosen, danach drei, um ausreichend geschützt zu sein.

Die gesetzlichen Krankenkassen über­nehmen die Kosten bis zum 18. Geburts­tag. Wer sich erst später impfen lässt, muss nach­fragen. Auch dann zahlen viele Versicherer.

Tipp: Wer die Impfung braucht und älter als 18 Jahre ist, kann sich in unserem Krankenkassenvergleich ansehen, ob und wie viel die eigene Kasse dafür zahlt.

Impf­quote noch gering

Eine große Unter­suchung der Cochrane Collaboration belegt, dass die Impfung vor dem 16. Lebens­jahr besonders wirk­sam ist. Dennoch sind die Impf­quoten in Deutsch­land nur gering: Derzeit sind nur etwa die Hälfte der 15-jährigen Mädchen und nur etwa ein Drittel der gleich­altrigen Jungs voll­ständig geimpft.

Früh­erkennung weiterhin wichtig

Trotz der Impfung bleiben einige Risiken bestehen. So decken die verfügbaren Impf­stoffe nicht alle HPV-Typen ab, die möglicher­weise Gebärmutterhals­krebs verursachen können. Deshalb raten Fachleute auch geimpften Frauen weiterhin zur Früh­erkennung.

Auf drei Faktoren kommt es an

Diese Faktoren sind entscheidend, um die Erkrankungs­zahlen beim Gebärmutterhals­krebs weiter zu senken:

  1. Die Impf­quote bei Kindern und Jugend­lichen muss steigen.
  2. Ältere Frauen müssen stärker für die Vorsorge gewonnen werden.
  3. Die Behand­lung von Erkrankungen sollte in spezialisierten Krebs­zentren erfolgen, wo nach­weislich bessere Ergeb­nisse erreicht werden.

Ältere Frauen bleiben gefährdet

Früh­erkennung kommt bei älteren Frauen deutlich zu kurz. Jede vierte an Gebärmutterhals­krebs Erkrankte ist älter als 65 Jahre. Hinzu kommt, dass bei diesen Frauen, der Krebs häufiger erst in fort­geschrittenen Tumor­stadien entdeckt wird und somit schlechtere Heilung­schancen bestehen.

Eine Ursache hierfür ist die nur geringe Teil­nahme an Vorsorgeunter­suchungen. Von hundert Frauen über 65 Jahren nehmen weniger als fünf am Früh­erkennungs­programm teil.

Über 35: Abstrich alle drei Jahre

Seit 2020 gibt es in Deutsch­land ein strukturiertes Vorsorgepro­gramm. Frauen zwischen 20 und 34 Jahren wird ein jähr­licher Abstrich angeboten, ab 35 Jahren alle drei Jahre eine Kombination aus Abstrich und HPV-Test. Zusätzlich ist jähr­lich eine gynäkologische Unter­suchung möglich. Regel­mäßige Vorsorge ist entscheidend, denn früh erkannte Krebs-Vorstufen sind nahezu voll­ständig heil­bar.

Tipp: Früh­erkennung lohnt auch an anderer Stelle. Die Stiftung Warentest informiert ausführ­lich zu Vorsorgeunter­suchungen, mit denen sich DarmkrebsBrustkrebs oder Osteoporose früh­zeitig erkennen lassen.


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